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THE LAST SHOWGIRL

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In genau 18 Tagen von wieder einer dieser begabten Coppolas gedreht und kurz mal Pam Anderson ein Comeback auf dem Level von Travolta in Pulp Fiction beschert. Allerdings muss das keine Fortsetzung bedeuten, denn es ist, fast schon buchstäblich, die Rolle ihres Lebens, nur mit deutlich mehr Strass und Pailetten. Aber neben Jennifer Coolidges Auftritt in White Lotus und der einfach nur unfassbar coolen Jamie Lee Curtis (die hier in atemberaubend scheußlichen Outfits die BFF gibt und - wie Travolta - ein Tänzchen hinlegt, das definitiv in die Filmgeschichte eingehen wird) ist es doch schön zu sehen, dass die alternde Frau durchaus vom Kassengift zur Kultfigur aufsteigen kann. Wer unbedingt will, kann meckern, dass die Dialoge ein bisschen arg auf die 12 sind und wir die Problematik eigentlich ab Bild 1 verstanden haben, der Rest der knapp 90 Minuten zeigt nur noch, wie Pam/ Shelly damit klarkommt, oder vielmehr ob. Aber das Thema ist so gewaltig, der Kampf um Würde und die Verteidigung d...

DIE SAAT DES HEILIGEN FEIGENBAUMS

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Wer bei dem Titel denkt, es geht um eine melancholische Betrachtung eines Bienenstocks in einem Olivenhain oder sowas, sei gewarnt. Dieser Film ist so weit von Orientkitsch entfernt wie ein Brandenburgisches Dorf. Er zeigt anhand einer Familie die Quintessenz dessen, was Politik mit der menschlichen Seele machen kann. Ich will eigentlich gar nicht erzählen, worum es geht. Gut, Frauen im Iran kann man ja sagen, dann weiß man eh schon die Richtung, wird aber immer noch komplett falsch liegen, weil dieser heimlich und wirklich in Iran gedrehte Streifen nicht da anhält, wo es die meisten tun, sondern noch ein paar Schritte weitergeht, bis an die Substanz. Und trotzdem ahnt man am Ende auch, wo die Hoffnung liegt. Der Regisseur Rasulof floh anschließend zu Fuß über die Berge aus dem Land. Der Film wurde rausgeschmuggelt, das im Land gebliebene Produktionsteam stundenlang verhört und bedroht. Der Tonmensch lebt jetzt in Kanada, wo ihn Trumps lächerliches Geschwätz hoffentlich zum Gähnen brin...

ANORA

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So, die Wahl ist gelaufen, weiter geht's auf diesem Sender mit dem eskapistischen Programm "Filme, die alle außer mir längst gesehen haben". Heute: Anora. Man harkt sich schon seit Pretty Woman darüber, ob Sexworkertum im Film positiv dargestellt werden kann und sollte. Hier kann man darüber streiten, ob es tatsächlich positiv dargestellt wird. Denn Anora, die Annie genannt werden will, "erotic dancer", scheint sich zwar recht wohlzufühlen in ihrem Job, inclusive kleinerer Unannehmlichkeiten mit schrägen Freiern, über die man sich belustigt mit den Kolleginnen austauscht. Als "Hooker" will sie aber auf gar keinen Fall bezeichnet werden, obwohl sie sich mit dem stinkreichen Oligarchensohn ohne mit der Wimper zu zucken auch auf viel mehr als den üblichen Lapdance einlässt. Und an dieser verwaschenen Grenze scheint für sie wirklich alles zu hängen, ihr Selbstwertgefühl, ihr Stolz, ihre Identität. Wer in der sich rasant entfaltenden Story einen tieferen Si...

A REAL PAIN

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Ach, war ich selig... kennt ihr das, wenn man im Kino sitzt und sich komplett verstanden fühlt? Nicht überwältigt, nicht bestätigt, nicht geschockt oder total fasziniert - einfach nur verstanden. Da hat jemand genau den Film gemacht, den man jetzt sehen wollte, gar nicht mal unbedingt aufs Thema bezogen. Ich muss nicht ständig Filme über Opfer generationsübergreifender Holocausttraumata sehen, obwohl, wenn sie so lustig sind wie der...  Nee, mir gehts es um die Art der beiläufigen Komik, die immer einen bodenlosen Abgrund mit sich herumschleppt, aber nie ganz offenlegt, die beiden Hauptfiguren, die natürlich ein gewisses Klischee verkörpern (wie Jesse Eisenberg selbst eigentlich), aber so liebevoll dargestellt sind, dass man weiß, so hat man sie noch nie gesehen und sich sofort verliebt...  Gut, ich kam direkt von einem Berlinaleempfang,  hatte mich aus Selbstschutzgründen etwas zu großgügig beim grünen Veltliner bedient - den verträgt man aber auch so gut! -, saß neben e...

THE OUTRUN

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"To outrun" heißt davonlaufen, entkommen, ein nachvollziehbares Bedürfnis in diesen traurigen, ernsten Zeiten. Saoirse Ronan (aka Siersche, Schorscha, Sorscha... ), spielt in jeder Minute überzeugend eine junge Alkoholikerin, die erst per Feiern und Suff der Welt und den von ihren Eltern verursachten Traumata davonlaufen und später dem Suff selbst entkommen will, als dieser etwas außer Kontrolle gerät. Dazu begibt sie sich nach dem Entzug ans Ende der Welt, auf eine Insel vor einer Insel vor dem abgelegenen Teil Schottlands, von dem sie stammt, samt Seehunden, Mythen, wortkargen Leuten und ziemlich schlechtem Wetter. Nora Fingscheidt war schon mit "Systemsprenger" einer weiblichen Person auf der Spur, die nirgends reingepasst und gegen alles angebrüllt hat. Ronas Geschichte könnte fast ein Sequel darüber sein, was ein schwieriges Elternhaus mit starken Individuen so anstellen kann. Im Gegensatz zu Systemsprenger hat "Outrun" aber weniger Sprengkraft, ist e...

EMILIA PÉREZ

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Hm. Schwierig. Jacques Audiard ist für mich eigentlich ein Qualitätsgarant und man kann auch sicher nicht sagen, dass dieser Musical-Film über einen transsexuellen Narco-Boss nicht originell wäre und keine großartigen Schauwerte hätte. Trotzdem bin ich etwas unterwältigt rausgegangen. Blöd nur, wenn man danach im Blog erklären will, warum, und es nicht wirklich zu fassen kriegt. Im Mittelteil kommt die Story etwas zerstückelt rüber, kein mitreißender Flow will sich einstellen. Aber vielleicht war mein Hauptproblem, dass ich zwar die großen Themen sehe - Drogengewalt, die Rolle der Frauen in Mexiko, Schuld und ein Mann, der die Seiten wechselt, aber dann eben doch nicht so richtig - aber keine klare Botschaft. Braucht man ja auch nicht immer. Aber wenn man so viele politische und gesellschaftliche Fässer aufmacht, sollte man vielleicht doch irgendwie zum Punkt kommen. Ist Emilia eine Utopie, die an der Realität der Geschlechterrollen zerbricht? Steht sie überhaupt für irgendwas oder wol...

CONCLAVE

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Sonntagnachmittag im November, wie die dunkle Zeit erhellen? Na klar, durch einen göttlichen Lichtstrahl von oben - Habemus Filmum! Der Papstwahl-Regisseur ist Ed Berger, der uns und den Oscars schon das Remake von "Im Westen nichts Neues" beschert hat und deshalb nicht sparen muss. Also wirkt es tatsächlich so, als hätte man im Inneren und Innersten des Vatikans gedreht, was natürlich optisch reizvoll ist. Und auch sonst werden hier allerhand geheime Skandale hochgespült - fast beschleicht einen das Gefühl, die Oberhäupter der katholischen Kirche seien auch nur stinknormale Männer, was natürlich komplette Fiktion ist, zwinker zwinker. Der Film greift mit vollen Händen in die diversen Problemtöpfe der Kirche und verhandelt sie auf gehobenem Mainstream-Niveau, während er eine Art gemäßigten "Name der Rose"-Plot ohne Wasserleiche erzählt. Am Schönsten finde ich eigentlich die weltlichen Details in all dem Kirchenbombast, die Raucherecke, die ständig entlaufenden Schil...