Posts

THE SECRET AGENT/ O AGENTE SECRETO

Bild
Einen hab ich noch vor der Winterpause. Vielleicht hat ja jemand in der "staden Zeit" 2-3 Stündchen übrig, um einen wunderschön gedrehten, schwarzhumorig-skurrilen brasilianischen Film zu betrachten? In dem Udo Kier, Friede seiner Asche, einen so tollen und wie verstörenden Cameo-Auftritt hat? In dem Fall würde ich diesen hier empfehlen. Man muss sich auch innerlich etwas Zeit nehmen. Darauf, dass die Handlungsstränge vor dem nur vage zu erkennenden Background der Militärdiktatur in den 70ern zusammenkommen, braucht man nicht zu warten, irgendwann kommt es dazu, aber der Weg ist hier das Ziel. Bis es soweit ist, gucken wir einem attraktiven, aber verlustgepeinigten Herrn mit sonnengelbem VW-Käfer dabei zu, wie er versucht, dem langen Arm der sogenannten Staatsgewalt zu entgehen, die ihm erstmal nur die Zigaretten wegnimmt, während ein paar Meter weiter eine erschossener Mann unter einem Stück Pappe vor sich hinverwest, den keiner abholen will. Dabei treffen wir nach und nach ...

SORRY, BABY

Bild
Ich finde den ja toll. Die Hauptdarstellerin Eva Victor hat auch Regie geführt und das Buch geschrieben und sich im Übrigen das Filmemachen während des Lockdowns selbst rangeschafft. Wahrscheinlich geht ihre Figur Agnes (Lamm Gottes, sic! sic! sic!) auch deshalb nicht oft vor die Tür, wenn sie nicht muss, zur Sorge ihrer Busenfreundin. In der Geschichte hat das allerdings andere Gründe, die ich nicht verrate, nur soviel: manchmal dauert es eine Weile, bis man schlimme Dinge verarbeitet, vielleicht klappt es auch nie so ganz, aber wäre doch schön, wenn das Leben trotzdem noch eine Chance kriegt. Eva Victor ist die Art von Person, bei der man nicht wegschauen kann, weil man sie nicht so richtig zu fassen kriegt und so jemanden noch nie gesehen hat, obwohl sie einem gleichzeitig vertraut vorkommt. Den Film als „extrem witzig“ zu beschreiben wie auf dem Poster und in diversen Blurbs geschehen, schrappt voll an der Sache vorbei. Ich würde eher mit sowas wie „lakonisch“ oder „melancholisch...

Sentimental Value

Bild
Da ich mein geneigtes wenn auch winziges Publikum gerne mal überrasche, ziehe ich nun nicht den naheliegenden Vergleich zwischen Joachim Trier und Lars „von" Trier. Letzteren verehrt ein geschätzter Filmblog-Kollege gleich derart, dass er den anderen Trier bisher gar nicht bemerkt hat, und nun die fälschlich erworbene Kinokarte gleich im hohen Bogen von sich warf. Ein Fehler! Trier der Jüngere hat vor nun auch schon 14 Jahren den furchtbar traurigen Film „Oslo, 31. August“ gemacht, mit dem er sofort in meine best-of-Liga aufstieg. Und da ich Skandi-Fan und alt wie das Meer bin, war mir schon 5 Jahre vorher „Reprise" über ein paar sehr gesprächige junge Möchtegern-Autoren positiv aufgefallen. Doch ich abschweife. In seinem neuesten und vielleicht komplexesten Werk stachen mir einige Parallelen zu „In die Sonne schauen" ins Auge. Das alte Haus, das gleich zu Beginn eine Persona bekommt, die wechselnden Leben darin, und die Spiegelungen der Frauenschicksale die damit verbun...

ZOOTOPIA 2

Bild
Gut, ich bin dann doch nicht gleich ins Theater, sondern zur Erholung erst noch in einen Kinderfilm. Natürlich in einen, der zumindest kleinen Kindern viel zu rasant ist und bei dem sie 80% der Witze und Anspielungen nicht verstehen, aber dennoch von den Eltern reingeschleift werden, die zur Abwechslung mal Spass (mit kurzem A und Doppel-S) haben wollen, anstatt sich in jegliche Resthoffnung in Atome zerlegenden "Erwachsenenfilmen" selbst zu geißeln. WIR brauchen dafür nicht mal Kinder, wir regredieren ganz von allein: Welcome to Zootopia! Hier stimmt noch die Message, die auch nicht eben subtil vorgetragen wird - antirassistisch, antidiskriminierend, antifaschistisch - und ratet mal, ob das Gute oder das Böse siegt! In den aktuellen Erwachsenenfilmen darf das Gute ja nicht mehr siegen, da man sich sonst sofort der Primitivität und Parteinahme verdächtig macht, nihilistisch muss es sein und alle müssen unbedingt totale Arschlöcher sein, wie in der richtigen Welt halt. In Zoot...

EDDINGTON

Bild
Ich mach's kurz: geht da nicht rein. Macht was anderes, was Schöneres. Geht mit Freunden auf ein Glaserl Gülle, oder lernt meinetwegen den Koran auswendig. Mir reicht's jedenfalls. Wie lange war ich nicht mehr mit oder in einem Film richtig beseelt, beglückt, begeistert. Liegt es an mir, oder drischt einfach fast jede(r) nur noch irgendwas zusammen, ohne Herzblut und Konzept, einfach ein paar Edelmimen aufstellen, weil man es halt kann, und sich dann auf den Lorbeeren des früheren Schaffens ausruhen und irgendwas Krudes zusammenstümpern, wird schon passen. Jeder gegen jeden, Chaos und Gewalt passen ja zu unserer Zeit, das geht schon durch als die große Gesellschaftskritik. Alle werden sich doof vorkommen, weil sie nicht wahrhaben wollen, dass jemand wie Ari Aster es schafft, derart zynischen, stinklangweiligen, hirnlosen Mist zu bauen. Meanwhile las ich gerade (nicht im Koran), Herr Trump wünsche sich "Rush Hour" Nummer 4 von Hollywood, weil er solche Filme liebt, und...

BUGONIA MEETS AMRUM, ODER AUCH NICHT

Bild
Letzte Nacht träumte mir, die Aliens wären auf Amrum gelandet, aber am Ende waren es doch nur ganz gewöhnliche Nazis. Grund genug für mich, einfach zwei Filme in einen Blogpott zu packen, die null Komma janüscht miteinander zu tun haben. Ich muss einfach wieder auf Stand kommen. Und für mich haben sie eine Gemeinsamkeit: ich fand die beide nur so mittel. Amrum ist atmosphärisch gedreht und hey, warum soll man nicht das große politische Theater in einem winzigen Inselkosmos erzählen, verstehen wird man es so oder so niemals. Und dann stirbt auch noch Hark Bohm, dessen Geschichte das ist, und zusätzlich ist es sichtlich eine Hommage an dessen Filme... nach Fatih Akin Film sieht es jedenfalls mal sicher NICHT aus. Quasi intrinsische Veredelung. Trotzdem fand ich ihn ein bisschen zu seicht und rührselig, allen voran die Szenen mit den geflüchteten Kindern, die leider auch einfach schlecht inszeniert und gespielt waren (anders als der Rest), warum auch immer. Und das ganze Hans-im-Glück-Tau...

DIE MY LOVE

Bild
Es tropft Muttermilch und Blut. Die Frau, aus der die Körpersäfte entrinnen, gespielt von Jennifer Lawrence, die sich hier hingebungsvoll jede erdenkliche Blöße gibt, will alles intensiv erleben, und steckt doch in einer tödlichen Ödnis aus Einsamkeit, frischem Baby, vergangenem Liebesrausch und nervenzerfetzendem Gekläffe des neuen Schoßhündchens fest. Ich spoile hier ausnahmsweise ein bisschen, weil es kein Film ist, der groß auf Handlung aufbaut, es geht um Atmosphäre und innere Prozesse, die teils toll, teils klischeehaft (schwarze Stute, schwarzer „Hengst", really jetzt?) visualisiert werden. Grace, so heißt die Dame mit den immer schlecht sitzenden Klamotten, die sie im Grunde eh nur abwerfen will, ist derart weit entfernt von der Rolle, in die das Umfeld samt Partner (Robert Pattinson) sie mit Pseudoverständnis und guten Worten reinlabern will, dass es nur noch absurd erscheint, wenn sie irgendwann sowas Ähnliches wie einen Kuchen produziert. Dabei würde ein Teil von ihr da...