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WAS HABEN WIR GELACHT

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Hella von Sinnen hab ich mir früher nicht angeguckt. Überhaupt war in meiner Bildungsbürgerkinderbubble RTL unter Niveau. Natürlich kannte man die trotzdem. Aber als ich sie jetzt da sitzen sah, mit ihrer weißen Warnschilderjacke und dem grellen Lippenstift im maximal genervten Gesicht, nicht ein Statement, sondern eine Lawine von Statements, die alle sowas sagen wie fuck you, ist mir egal, ich lass' das jetzt so, da hat sie mich richtig vom Hocker gehauen. Es war in den 80ern und 90ern halt wie mit Thatcher in der Politik, als Frau ging es nur auf die harte Tour im deutschen Fernsehen, und was das hieß, das erzählen diese fünf Damen auf eine sehr reflektierte Art, die auch die eigene Rolle hinterfragt, während sie einigen der Herren natürlich sauber einschenken. Dass die dazu einfach mal nichts sagen dürfen, ist erholsam. Trotzdem ist es im Grunde ein trauriger Film, auch wenn nur Esther Schweins, der "Schönen" unter den Fünfen, die nur passiv lustig sein durfte, mal die...

SCHÖNE SEELEN (UND ANDERE FILMFESTAUSBEUTEN)

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 Man kann schlecht sagen, dass August Diehl ein unterschätzter Mime ist, aber ich WILL sagen, dass ich immer wieder erstaunt bin, wie verdammt gut er ist. Wandelbar Hilfsausdruck. Womit wir bei Josef Hader wären, der, wie man weiß die Apotheose des Kabaretts verkörpert, aber auch sehr gut schauspielert, nur eben immer ein bisserl einen ähnlichen Typus. Stichwort irgendwie armselig und leicht schmierig. So auch Herbert, in Andalusien lebender und wirkender Expat, der sich als großer Zampano des Nachtlebens betrachten möchte, aber leider über ein, ich nenn’s mal, gewisses Niveau noch deutlich unter Jürgen Drews nicht hinauskommt. Auch seine Angestellten, die er aus desolaten Zugereisten rekrutiert, lassen menschlich und professionell zu wünschen übrig. Freddy, daheim ein Totalversager, erscheint im Vergleich beinahe als leuchtendes Vorbild, denn er ist zwar irrsinnig naiv, aber durchaus empathiefähig und eigentlich voll liab. Blöd, dass die Vorgänge im vermeintlichen Paradies ihn sch...

BACKROOMS

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Ich geh nicht so gern in Horrorfilme, weil ich mich dort unwohl fühle, was ich in Problemfilmen komischerweise nicht tue. Aber wenn man per MUBI GO den Hype schon für lau unter die Nase gerieben kriegt… und außerdem ist es ja schön kühl im Kino. Also weiß ich jetzt, was eine „Creepy Pasta“ ist. Das sind nämlich so kleine Gruselwebserien im Netz, weitergedichtet und gepostet von UserInnen. Und aus solch einem offenbar wahnsinnig bekannten Liminal Space-Mama Miracoli-Gruselserienspaghetti hat nun ein 19-jähriger Herr namens Kane Parsons ein magenfüllendes Fertiggericht gezaubert. Es sei mir gestattet, das Rezept zu spoilen: 2 Prisen „The Shining“, ein Hub „Severance“, ein Löffelchen Dali (der kam im Kunst-LK vor), zwei Escher-Würfel (aufgelöst in Urin, von wegen Farbgebung) und das Aroma von ca. 3000 angesagten Games, die ich alle nicht kenne – das meiste basiert ja jetzt auf Games, die ich nicht kenne. Doch vorerst lehnte ich mich erleichtert zurück, als ich Renate Reinsve auf der Leinw...

(THE) GOOD BOY

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Es sei angemerkt, dass der hier besprochene Film im Original „THE Good Boy“ heißt, da es letztes Jahr einen Horrorfilm namens „Good Boy“ gab, der aus der Perspektive eines Hundes erzählt wurde. Das geschieht hier nicht. Dafür spielt in „THE Good Boy“ auch ein Halsband eine Rolle, nur das dieses ziemlich schwer ist und von einem Menschen, Tommy, getragen wird. Tommy, ein „obnoxious young lad“ und fleißiger Tiktoker, hat sich gewaltig danebenbenommen, dies einmal zu oft gepostet und findet sich nun in der „Obhut“ einer äußerst fragwürdigen Familie wieder. Die überaus schwarze Pädagogik, die dort angewandt wird, um ihn auf den rechten Pfad zurückzuführen, erinnert (wohl nicht zufällig) an "A Clockwork Orange", und auch Andrea Riseborough als würdige Wiedergängerin von Shelley Duvall in „The Shining“ würdigt Kubrick, den Altmeister ungemütlicher Moralstücke. Überhaupt hat die polnisch-britische Koproduktion von Jan Komasa etwas aus der Zeit Gefallenes, auch das leicht schauerlich...

THE DEVIL WEARS PRADA 2

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Nun wollen natürlich alle, die vor 20 Jahren Teil 1 mochten, wissen: bringt’s das noch oder wird man sich im Kinosessel angesichts des Verfalls der DarstellerInnen, der Qualität der Sprüche und des ziemlich gestrigen Themas vor Ödnis winden? Die MacherInnen waren sich dieser Gefahren natürlich völlig bewusst und sind konfrontativ damit umgegangen: dem Untergang geweiht ist hier eigentlich alles. Mirandas (Meryls) Imperium, Modezeitschriften per se, Stilbewusstsein per se, Journalismus, und implizit auch die gute alte stilvolle Welt ohne alles gleichmachende Tech-Mogule, hier verkörpert von einem charme- und geschmacksbefreiten Zuckerberg-Verschnitt, der Miranda sogar dazu zwingt, rauszufinden, wo sich die Betriebskantine befindet. Die Damen selbst hingegen strahlen und zicken wie eh und je, die Sprüche und Frisuren sitzen, die Figuren, allen voran Emily, haben an Profil fast noch zugelegt und wahren Fans werden schon Meryl Streeps Blicke genügen, die fast ihren eigenen Oscar verdient h...

ROSE

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Rose, einmalig gespielt von national treasure Sandra Hüller, ist eine Veteranin, die die Schnauze voll hat, nicht nur von den Kugeln, die ihr dieselbe durchlöchert und ihrem Gesicht herbe, fast männliche Züge verliehen haben. An den Fronten des gnadenlosen endlosen Krieges hat sie schon als Mann gekämpft, warum sollte sie nun, da sie endlich die Chance auf ein gutes, selbstbestimmtes Leben hat, wieder ins Kleidchen zurück, und damit in das Schicksal, jederzeit angegriffen, vergewaltigt, einem „Herrn“ unterworfen zu werden, wenn es diesem beliebt? Rose will mehr und riskiert damit so einiges. Aber sie gewinnt auch viel, und selbst ihre naive „Ehefrau“ (ganz toll und unberechenbar: Caro Braun) erweitert zum eigenen Verblüffen ihren Horizont bei diesem gefährlichen Experiment. Regisseur Markus Schleinzer hat dafür eine ganz eigene zugleich sperrige, reduzierte und doch kunstvolle Form des Erzählens gefunden. Die schwarzweißen Bilder zeigen die Berge skelettierter Kriegsopfer genauso ruhig...

PILLION

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Ja, ich bin ein Skarsgård-Fanweib, geb ich zu. Aber es ist nicht nur sein Körper. Der Gute macht sich bei aller Schönheit grundsätzlich null komma null Sorgen, ob die Rollen die er spielt, sympathisch oder gesellschaftlich sanktioniert rüberkommen. Auch hier muss sich Ray, wie der Biker-Traumtyp des kleinen, krumpeligen Losers Colin heißt, von dessen Mutter einiges anhören, das auch nicht völlig an den Haaren herbeigezogen ist. Apropos an den Haaren herbeiziehen: die Selbstkontrolle des Regisseurs Harry Lighton, Depeche Mode’s „Master and Servant“ nicht mit in den Soundtrack aufzunehmen, grenzt selbst schon an Masochismus. Die britische „Dom-Com" hält sich in punkto expliziter Darstellung von BDSM-Techniken nicht groß zurück und wer in dieser Hinsicht zart besaitet ist, sollte vielleicht doch lieber Bridgerton oder sowas gucken. Das Schöne ist, man geht trotzdem oder vielleicht sogar deswegen beseelt lächelnd nach Hause, denn hinter all dem Schwanzgelutsche und Erniedrige steckt e...