HAMNET/ IT WAS JUST AN ACCIDENT/ ACH, DIESE LÜCKE
Maxi statt Mini: Um den geballten Filmkonsum seit meiner Rückkehr aus dem Land des Lächelns (wer denkt, dass das China ist, war noch nie in China) irgendwie zu verarbeiten, hier einer meiner wenig beliebten Sammeleinträge, und sei es nur für mich, denn die Archivarin muss archivieren, sonst verliert sie ihren zweiteinzigen Lebenszweck neben mindestens einmal täglich irgendwo ordentlichen Kaffe herkriegen. Here goes:
Hamnet. Schon das Buch, das ich im Urlaub genoss, nervte mit endlosen Beschreibungen von Kräuterstampferei (eine reine Frauentätigkeit, denn Herren arbeiten mit dem Kopfe) und natürlich der maximal ausgereizten Beschreibung eines Kindstodes incl. extensiver Vor- und Nachgeschichte. Und auch der Film (ja, warum wollte ich den dann auch noch sehen, kann man sich durchaus fragen) geht dahingehend voll auf die 12 und macht sich deshalb für mich der hochgradigen Manipulativität verdächtig, obwohl er durchaus auch seine tollen Momente hat. Ich weiß übrigens gar nicht, was das Ganze groß mit Shakespeare zu tun haben soll. Dessen Geist wabert da höchstens latent herum. Der echte William hat wohl auch ein Kind verloren, wie quasi jeder Mensch zu jener Zeit, der nicht selbst als Kind gestorben ist - der Vater im Film hätte im Grunde auch sonstwer sein können. Um diesem Manko entgegenzuwirken, wird hier und da amerikanerfreundlich simpel die eine oder andere von Recherche und Glaubwürdigkeit ungetrübte Shakespeare-Anspielung eingebaut (die Kinder spielen allen Ernstes Macbeth nach). Doch schließlich wird es doch noch extrem Shakespearean: Gefühlt das letzte Drittel des Films spielt im Globe Theatre, wo Frau Shakespeare hinreist, um unter endlosem Hängen und Würgen die herbeigebetete These zu untermalen, dass ihr Gemahl mit dem Stück „Hamlet" (Name total ähnlich!) seine Trauer verarbeitet - parallel zur ZuschauerIn, welche ebenfalls nicht im Geringsten versteht, wo zum Henker der Zusammenhang sein soll. Ja, es wird Oscars regnen, und auch ich mag Paul Mescal und Jessie Buckley gut leiden, aber das heißt nicht, dass mir dieser Film gefallen hat, denn wie die, die zwischen den Zeilen zu lesen vermögen, vielleicht schon ahnen: das hat er nicht wirklich.
It was just an accident. Große Enttäuschung. Nach vielen grandiosen iranischen Filmen, denen es unter schwierigen Bedingungen nie an Qualität der Story, Figurenzeichnung und vielschichtiger gesellschaftlicher Analyse mangelte, empfand ich diesen Film über einen Folterknecht, der von einigen seiner ehemaligen Opfer geschnappt und zur Rede gestellt wird, als holprig, an den ganz falschen Stellen komödienhaft und das Ergebnis der moralischen Auseinandersetzung sogar als problematisch, was ich jedoch nicht spoilen mag, den viele Leute schätzen Jafar Panahi und wollen dem Film vielleicht trotz meiner subjektiven Geschmacksverirrung eine Chance geben. Und das Thema ist natürlich mehr als relevant und wichtig, eh klar. Aber der Feigenbaumfilm war trotzdem viel stärker.
"Ach, diese Lücke“ ist hingegen eine gelungene Verfilmung des ebenso gelungenen 3. autobiographischen Romans von Schauspieler Meyerhoff, der sich hier von Bruno Alexander sehr gelungen darstellen lässt. Ein freundliche, recht lustige, durchaus berührende Sache das. Viele nette Cameos, am lustigsten Tom Schilling als Regieassistent, und die spleenigen Großeltern sind wie schon im Buch eine reine Freude… ergo: wenn man so wie ich im Schnitt nur einen deutschen Kinofilm im Jahr guckt, könnte es definitiv dieser sein.
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