BACKROOMS
Ich geh nicht so gern in Horrorfilme, weil ich mich dort unwohl fühle, was ich in Problemfilmen komischerweise nicht tue. Aber wenn man per MUBI GO den Hype schon für lau unter die Nase gerieben kriegt… und außerdem ist es ja schön kühl im Kino. Also weiß ich jetzt, was eine „Creepy Pasta“ ist. Das sind nämlich so kleine Gruselwebserien im Netz, weitergedichtet und gepostet von UserInnen. Und aus solch einem offenbar wahnsinnig bekannten Liminal Space-Mama Miracoli-Gruselserienspaghetti hat nun ein 19-jähriger Herr namens Kane Parsons ein magenfüllendes Fertiggericht gezaubert. Es sei mir gestattet, das Rezept zu spoilen: 2 Prisen „The Shining“, ein Hub „Severance“, ein Löffelchen Dali (der kam im Kunst-LK vor), zwei Escher-Würfel (aufgelöst in Urin, von wegen Farbgebung) und das Aroma von ca. 3000 angesagten Games, die ich alle nicht kenne – das meiste basiert ja jetzt auf Games, die ich nicht kenne. Doch vorerst lehnte ich mich erleichtert zurück, als ich Renate Reinsve auf der Leinwand sah, für mich eine absolute Old-school-Skandi-Arthouse Qualitätsgarantin, einen totalen Senf würde die schon nicht machen. Und Herr Ejiofor ist ja auch fein. Außerdem sieht das von den Machern sichtlich stolz präsentierte Möbelhaus-Grusel-Labyrinth-Set recht originell aus, zumindest, bis man’s dann kapiert hat. Dann beginnt es etwas zu öden, wird aber hartnäckig weiter präsentiert – ich mein, wenn man’s schonmal da hat... Mir als Fast-Boomerin war das Ganze inhaltlich dann doch zu wurschtig. Zwar wurde so eine Art tieferer Sinn, Stichwort Unterbewusstsein, angetäuscht, da sind auch ein paar schöne Ideen bei (apropos essbar!), doch offensichtlich war es dann wichtiger, noch ein paar coole Neonröhren brummen zu lassen, als wirklich was zu erzählen. Immerhin fanden gegen Ende auch die 19-jährigen, dass nochmal was passieren muss und so mündet das Ganze in eine halbstündige, visuell tolle, inhaltlich sinnfreie Verfolgungsjagd, hurra! Aber hey, Alterssnobismus beiseite - vielleicht muss das auch alles so sein. Hinterher fiel mir ein, dass der Film im Grunde das spiegelt, was wir alle tagtäglich im Internet erleben – endloses, leeres Scrollen, das nirgendwo hinführt, ab und zu stößt man auf was Überraschendes oder irgendwelche Monster, und besonders schön ist es da nicht, aber man will (oder muss?) trotzdem immer wieder rein. Insofern hat Parsons vielleicht doch den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich bin, glaub ich, einfach nur die falsche Zielgruppe und ess lieber Pasta, als sie zu gucken.
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