SCHÖNE SEELEN (UND ANDERE FILMFESTAUSBEUTEN)

 Man kann schlecht sagen, dass August Diehl ein unterschätzter Mime ist, aber ich WILL sagen, dass ich immer wieder erstaunt bin, wie verdammt gut er ist. Wandelbar Hilfsausdruck. Womit wir bei Josef Hader wären, der, wie man weiß die Apotheose des Kabaretts verkörpert, aber auch sehr gut schauspielert, nur eben immer ein bisserl einen ähnlichen Typus. Stichwort irgendwie armselig und leicht schmierig. So auch Herbert, in Andalusien lebender und wirkender Expat, der sich als großer Zampano des Nachtlebens betrachten möchte, aber leider über ein, ich nenn’s mal, gewisses Niveau noch deutlich unter Jürgen Drews nicht hinauskommt. Auch seine Angestellten, die er aus desolaten Zugereisten rekrutiert, lassen menschlich und professionell zu wünschen übrig. Freddy, daheim ein Totalversager, erscheint im Vergleich beinahe als leuchtendes Vorbild, denn er ist zwar irrsinnig naiv, aber durchaus empathiefähig und eigentlich voll liab. Blöd, dass die Vorgänge im vermeintlichen Paradies ihn schließlich brechen. Ich fand den Film wunderbar, sofern man nicht auf der Suche nach existentiellem Trost ist wie seine Figuren. Leider gibt’s noch keinen Trailer.

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Ansonsten nehme ich Abstand davon, alle 23 Filme zu beschreiben, die ich sonst noch sehen durfte, und greife nur ein paar Tops und Flops heraus:

„Hiddensee“, die neue Doku von Annekatrin Hendel, zeigt bedacht und elegant einen Mikrokosmos gesellschaftlicher Strömungen von damals und heute, gefilmt im Stil von… naja, teils sieht es schon ein bisschen nach Riefenstahl aus - gewollt? Läuft schon bald im Kino an. 


"Morgen war Krieg" ist eine Dystopie aus Deutschland, die sich meiner Meinung nach des in etwa schlechtesten Drehbuchs und der peinlichsten Dialoge des gesamten Festivals rühmen darf. Der läuft hoffentlich nie im Kino an - sorry wegen Kollegenschelte, aber so gehts echt nicht. 

"Ah Girl“ spielt im Singapur der 90er aus der Sicht eines kleinen Mädchens und war in seiner Schrägheit, Originalität und Witz eins meiner Highlights.


"The Piano Tuner" mit Oldie but Goldie Dustin Hoffman ist leider schon im Kino und ich kann nur alle, die wegen Hoffman reinwollen, vor dieser öden, ultravorhersagbaren, sentimentalen Pampe warnen - mutmaßlich der erste Hollywood KI-nofilm? Also vom Drehbuch her jetzt. Den Trailer erspare ich uns.

„Rose of Nevada“ war der vielleicht bestaussehendste Film, den ich dort sehen durfte, ultra-atmosphärisch aber auch ultra-arthousig und mystisch, also sicher nix für die breite Masse (zu der ich meine zahllosen LeserInnen aber natürlich nicht rechne!). Unvergesslich, falls man sich hingibt.

"My First Love" brachte mich zum Heulen und Lachen, also muss diese kleine norwegische, überraschend witzige Coming of Age-Story einer Querschnittsgelähmten und ihren Versuchen, wie ein „normaler Mensch“ leben und lieben zu dürfen irgendwas sehr sehr richtig machen.

"The Invite“ ist offenbar wieder so ein komplett in einer Wohnung spielender Franchise Film, den es in verschiedenen Ländern gibt oder geben wird, aber die US-Variante lohnt sich trotzdem absolut - Seth Rogen und Regisseurin Olivia Wilde als ausgelutschtes Paar treten gegen die vermeintlichen Beziehungsprofis (und Nachbarn) Penelope Cruz und Edward Norton an und „Who’s afraid of Virginia Woolf“ lässt ganz herzlich grüßen. Sollte man machen, sehr schlau geschrieben und super gespielt. 







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