The Odyssey
Muss man dazu noch was schreiben? Waren ja eh schon alle drin! Aber die Klappe zu Filmen zu halten war noch nie meine Stärke, also nehmt folgende Anmerkungen zu Nolans (zumindest finanziell total erfolgreichem) Ansatz entgegen, die Mutter aller Heldenreisen neu zu visualisieren. Zur kreuzdämlichen Debatte, welche Besetzung politisch korrekt ist, sage ich hier genau nichts, dazu möge man andere Quellen befragen (aber Lupita als Helena und Klytemnästra ist schon sehr cool).
Vorausgeschickt: ich hatte Spaß und hab mich die knapp unter 3h solide unterhalten, allerdings bei näherem Hinsehen mit großen Qualitätsunterschieden der einzelnen Episoden, von überflüssig (silberne Roboter-Riesen, die vermutlich die Lästrygonen darstellen sollen) über bieder und klobig inszeniert (eigentlich fast alles bei Hofe auf Ithaka) bis in den besten Momenten fast Kurosawa-esken traumartigen Sequenzen (Circe, Hades).
Die Anti-Kriegs- und Untergang des Abendlands-Botschaft kommt rüber. Ständig wird auf dem „Law of Zeus“ rumgeritten, was wahlweise Gastfreundschaft und westliche Zivilisation bedeuten kann, je nach Auslegung. Jedenfalls scheint dieses Gesetz in Nolans Interpretation der Story für alle extrem wichtig zu sein, wird aber zugleich von allen andauernd gebrochen, ergo ist dieser Widerspruch wohl das tieferliegende Problem. Auch Ody himself kriegt das nicht so richtig hin, gipfelnd darin, dass er nachdem er endlich seine Reise-Therapie beendet und kapiert hat, dass Krieg keine Lösung ist, zuhause mit einem Gemetzel loslegt, dass die Balken wackeln. Und sein etwas armseliges Söhnchen Telemachus darf das alles nachher allein ausbügeln, Fortsetzung folgt nicht.
Ich hatte vorab Bedenken, dass Matt Damon als Odysseus zu straight ist, und im Grunde war er das auch, besonders listenreich kommt er nicht grade rüber, Pferdchentrick hin oder her. Aber immerhin ist er nicht fehlerfrei, sondern macht sogar alle Fehler, die man irgendwie machen kann, kaum besser als seine Crew, die im Grunde nur aus einem Haufen Schweine (Quelle: Circe) besteht. Aber er reflektiert das wenigstens, was man anerkennen muss, schließlich ist er ja kein moderner Mann, sondern irgendwie toxisch erzogen und dann auch noch kriegstraumatisiert. Visuell ist vieles toll (das Pferd! Der Zyklop!). Bechdel-test mäßig fällt das Ding wie gefühlt alle Nolan Filme ever komplett durch - zwar gibt es mehrere Frauenrollen, aber dass die miteinander über etwas anderes als einen Mann (Betonung auf EINEN) sprechen würden, kann man knicken. Und bittschön, muss Telemach, bei aller Wurschtigkeit gegenüber „historischer Genauigkeit“, wirklich „Mum“ und „Dad“ zu seinen Altvorderen sagen? Aber hey, was soll’s, Popcorn her und dann passt das schon, so als Spektakel!
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