WAS HABEN WIR GELACHT
Hella von Sinnen hab ich mir früher nicht angeguckt. Überhaupt war in meiner Bildungsbürgerkinderbubble RTL unter Niveau. Natürlich kannte man die trotzdem. Aber als ich sie jetzt da sitzen sah, mit ihrer weißen Warnschilderjacke und dem grellen Lippenstift im maximal genervten Gesicht, nicht ein Statement, sondern eine Lawine von Statements, die alle sowas sagen wie fuck you, ist mir egal, ich lass' das jetzt so, da hat sie mich richtig vom Hocker gehauen. Es war in den 80ern und 90ern halt wie mit Thatcher in der Politik, als Frau ging es nur auf die harte Tour im deutschen Fernsehen, und was das hieß, das erzählen diese fünf Damen auf eine sehr reflektierte Art, die auch die eigene Rolle hinterfragt, während sie einigen der Herren natürlich sauber einschenken. Dass die dazu einfach mal nichts sagen dürfen, ist erholsam. Trotzdem ist es im Grunde ein trauriger Film, auch wenn nur Esther Schweins, der "Schönen" unter den Fünfen, die nur passiv lustig sein durfte, mal die Tränen kommen. Man selbst blubbert hier und da auch ein bisschen rum, weil, weil... weil das alles erst so kurz her ist! Weil es so ein absurder Kampf sein musste und teils noch immer ist, als Frau lustig sein zu dürfen und damit die Erwartungshaltungen (schön, wenig an, doof) zu brechen, und weil es so schlimm ist, dass auch heute noch in den Kommentaren im Netz zum Film steht, dass die selbst schuld waren, weil sie ja Geld- und ruhmgeil waren und unbedingt ins Fernsehen mussten. Bloß mussten Männer sich dafür nicht betatschen, beleidigen und verhöhnen lassen. Die durften einfach so ins Fernsehen. Bei alledem fehlten mir einige Gesichter, manche sind tot, andere hatten wohl keine Lust, ihren Frust öffentlich abzulassen. Erwartungshaltung und so. Aber die Botschaft kommt an, und sie ist überfällig.
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