STAATSSCHUTZ
Bin ehrlich gesagt nur reingegangen, weil eine gute Freundin und ihr 19-jähriges Töchterlein mich gefragt haben, und ich werde einfach gern was gefragt. Doch ich ahnte schon vom Trailer her, dass das nicht unbedingt mein Lieblingsfilm wird. Töchterlein fand den Film fantastisch, und ich verstehe das und heiße das ausdrücklich gut. Denn wer, derdie nicht ethisch-moralisch komplett verrottet ist, wollte behaupten, dass das Thema Rassismus, Rechtsruck und rechte Unterwanderung staatlicher Behörden nicht unfassbar wichtig und relevant ist. Und das auch noch in einen Thriller verpackt, der natürlich mehr Publikum anlockt als eine Reportage im ZDF - absolut, unbedingt und mehr davon! Nur mir persönlich hat es jetzt nicht so gut gefallen. Fand es dann doch ziemlich unglaubwürdig gemacht. Nicht per se, dass die Polizei unterwandert ist, auch nicht, dass es in der Gerichtsbarkeit hier und da fragwürdige Leute gibt, die ihre Freunde aus der Schmuddelecke schonen wie Oma selig ihre Brokatbezüge - alles geschenkt. Aber erstens ist mir das alles einen Tick ZU divers und politisch korrekt, so dass es schon wieder was Artifizielles hat. Und dann benimmt sich diese junge deutsch-koreanische Staatsanwältin im Zuge der Handlung so übertrieben regelwidrig, dass ich sie ehrlich gesagt ungern weiter in diesem Job sehen wollen würde. Ferner triefen die Thriller-Klischees nur so, vom mit Fotos und Pfeilen vollgeklebten Fenster der selbstermächtigten Ermittlerin über das Schreien im Auto bis hin zum für eine Kleinstadt unfassbar gigantischen Gerichtsarchiv, in dem nächtens zwischen den Gängen herumgeschlichen wird, ist wenig drin, was man nicht kennt, und in der vom redlichen Zorn getriebenen Häufung und Eskalation gehen manche Grautöne und wirklich spannenden Momente (wie die schön ekelhafte Konfrontation mit der Polizeistreife) fast unter. Also vielleicht etwas zu gut gemeint, aber im Prinzip: mehr davon.
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