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ANORA

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So, die Wahl ist gelaufen, weiter geht's auf diesem Sender mit dem eskapistischen Programm "Filme, die alle außer mir längst gesehen haben". Heute: Anora. Man harkt sich schon seit Pretty Woman darüber, ob Sexworkertum im Film positiv dargestellt werden kann und sollte. Hier kann man darüber streiten, ob es tatsächlich positiv dargestellt wird. Denn Anora, die Annie genannt werden will, "erotic dancer", scheint sich zwar recht wohlzufühlen in ihrem Job, inclusive kleinerer Unannehmlichkeiten mit schrägen Freiern, über die man sich belustigt mit den Kolleginnen austauscht. Als "Hooker" will sie aber auf gar keinen Fall bezeichnet werden, obwohl sie sich mit dem stinkreichen Oligarchensohn ohne mit der Wimper zu zucken auch auf viel mehr als den üblichen Lapdance einlässt. Und an dieser verwaschenen Grenze scheint für sie wirklich alles zu hängen, ihr Selbstwertgefühl, ihr Stolz, ihre Identität. Wer in der sich rasant entfaltenden Story einen tieferen Si...

A REAL PAIN

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Ach, war ich selig... kennt ihr das, wenn man im Kino sitzt und sich komplett verstanden fühlt? Nicht überwältigt, nicht bestätigt, nicht geschockt oder total fasziniert - einfach nur verstanden. Da hat jemand genau den Film gemacht, den man jetzt sehen wollte, gar nicht mal unbedingt aufs Thema bezogen. Ich muss nicht ständig Filme über Opfer generationsübergreifender Holocausttraumata sehen, obwohl, wenn sie so lustig sind wie der...  Nee, mir gehts es um die Art der beiläufigen Komik, die immer einen bodenlosen Abgrund mit sich herumschleppt, aber nie ganz offenlegt, die beiden Hauptfiguren, die natürlich ein gewisses Klischee verkörpern (wie Jesse Eisenberg selbst eigentlich), aber so liebevoll dargestellt sind, dass man weiß, so hat man sie noch nie gesehen und sich sofort verliebt...  Gut, ich kam direkt von einem Berlinaleempfang,  hatte mich aus Selbstschutzgründen etwas zu großgügig beim grünen Veltliner bedient - den verträgt man aber auch so gut! -, saß neben e...

THE OUTRUN

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"To outrun" heißt davonlaufen, entkommen, ein nachvollziehbares Bedürfnis in diesen traurigen, ernsten Zeiten. Saoirse Ronan (aka Siersche, Schorscha, Sorscha... ), spielt in jeder Minute überzeugend eine junge Alkoholikerin, die erst per Feiern und Suff der Welt und den von ihren Eltern verursachten Traumata davonlaufen und später dem Suff selbst entkommen will, als dieser etwas außer Kontrolle gerät. Dazu begibt sie sich nach dem Entzug ans Ende der Welt, auf eine Insel vor einer Insel vor dem abgelegenen Teil Schottlands, von dem sie stammt, samt Seehunden, Mythen, wortkargen Leuten und ziemlich schlechtem Wetter. Nora Fingscheidt war schon mit "Systemsprenger" einer weiblichen Person auf der Spur, die nirgends reingepasst und gegen alles angebrüllt hat. Ronas Geschichte könnte fast ein Sequel darüber sein, was ein schwieriges Elternhaus mit starken Individuen so anstellen kann. Im Gegensatz zu Systemsprenger hat "Outrun" aber weniger Sprengkraft, ist e...

EMILIA PÉREZ

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Hm. Schwierig. Jacques Audiard ist für mich eigentlich ein Qualitätsgarant und man kann auch sicher nicht sagen, dass dieser Musical-Film über einen transsexuellen Narco-Boss nicht originell wäre und keine großartigen Schauwerte hätte. Trotzdem bin ich etwas unterwältigt rausgegangen. Blöd nur, wenn man danach im Blog erklären will, warum, und es nicht wirklich zu fassen kriegt. Im Mittelteil kommt die Story etwas zerstückelt rüber, kein mitreißender Flow will sich einstellen. Aber vielleicht war mein Hauptproblem, dass ich zwar die großen Themen sehe - Drogengewalt, die Rolle der Frauen in Mexiko, Schuld und ein Mann, der die Seiten wechselt, aber dann eben doch nicht so richtig - aber keine klare Botschaft. Braucht man ja auch nicht immer. Aber wenn man so viele politische und gesellschaftliche Fässer aufmacht, sollte man vielleicht doch irgendwie zum Punkt kommen. Ist Emilia eine Utopie, die an der Realität der Geschlechterrollen zerbricht? Steht sie überhaupt für irgendwas oder wol...

CONCLAVE

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Sonntagnachmittag im November, wie die dunkle Zeit erhellen? Na klar, durch einen göttlichen Lichtstrahl von oben - Habemus Filmum! Der Papstwahl-Regisseur ist Ed Berger, der uns und den Oscars schon das Remake von "Im Westen nichts Neues" beschert hat und deshalb nicht sparen muss. Also wirkt es tatsächlich so, als hätte man im Inneren und Innersten des Vatikans gedreht, was natürlich optisch reizvoll ist. Und auch sonst werden hier allerhand geheime Skandale hochgespült - fast beschleicht einen das Gefühl, die Oberhäupter der katholischen Kirche seien auch nur stinknormale Männer, was natürlich komplette Fiktion ist, zwinker zwinker. Der Film greift mit vollen Händen in die diversen Problemtöpfe der Kirche und verhandelt sie auf gehobenem Mainstream-Niveau, während er eine Art gemäßigten "Name der Rose"-Plot ohne Wasserleiche erzählt. Am Schönsten finde ich eigentlich die weltlichen Details in all dem Kirchenbombast, die Raucherecke, die ständig entlaufenden Schil...

IN LIEBE, EURE HILDE

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Achtung, ich vermeide sonst Spoiler nach Möglichkeit, aber diesmal konnte ich mich ohne nicht ausreichend echauffieren. Also sind welche drin. Am Schluss hat natürlich das ganze Kino geheult. Vielleicht bin ich zynisch, aber obwohl ich mitgeflennt habe, fand ich es etwas wohlfeil. Junge Frau mit Baby, deren Mann schon hingerichtet wurde und dann Todesurteil, dann kommt auch noch Alexander Scheer als weltverständnisvollster Priester in die Zelle (wieso haben die Nazis den überhaupt reingelassen), wessen Tränendrüsen sollten da nicht leaken? Ehrlicherweise hab ich mich aber die ersten 90 Minuten im großen und ganzen eher gelangweilt. Und mich dabei noch schuldig gefühlt, immerhin geht's um die Rote Kapelle, junge Menschen, die etwas so Sinnvolles und Heldenhaftes getan haben, dass man angesichts der 50 Cent, die man gerade einer Obdachlosen zugesteckt hat, vor Scham eigentlich nur noch Harakiri begehen kann. Was also stimmte nicht? Einmal die Rückblenden, die - wohl zur Vermeidung vo...

THE APPRENTICE

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Wenn's euch geht wie mir, dräut euch in wenigen Tagen gefühlt die ultimative Zeitenwende, wenn ein schwafelnder, alter, hässlicher Mann mit güldenem Haar und machiavellistischem Gemüt einmal mehr versucht, die Macht an sich zu reißen und das Land bzw. die Welt seinem Diktat aus Schwachsinn und Bosheit zu unterjochen, aus mysteriösen Gründen unterstützt von etwa der Hälfte der Amerikaner. Also alles wie in Thürigen, nur größer und - leider - mit mehr Unterhaltungswert. So viel davon, dass sogar Kinofilme zum Thema gemacht werden. "The Apprentice" dreht sich nur im übertragenen Sinne um die TV-Show, die Trump berühmt gemacht hat. In erster Linie ist es eine... naja, Liebesgeschichte? Zumindest gesteht Roy Cohn, der von Jeremy Strong (aka Kendall in Succession ) zu Beginn derart hai-artig angelegt wird, dass einem das Blut in den Adern gefriert, irgendwann seinem Zögling Donny seine Gefühle. Da hat sich das Blatt schon gewendet und der zunächst fast ein bisschen sympathisch ...