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THE OUTRUN

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"To outrun" heißt davonlaufen, entkommen, ein nachvollziehbares Bedürfnis in diesen traurigen, ernsten Zeiten. Saoirse Ronan (aka Siersche, Schorscha, Sorscha... ), spielt in jeder Minute überzeugend eine junge Alkoholikerin, die erst per Feiern und Suff der Welt und den von ihren Eltern verursachten Traumata davonlaufen und später dem Suff selbst entkommen will, als dieser etwas außer Kontrolle gerät. Dazu begibt sie sich nach dem Entzug ans Ende der Welt, auf eine Insel vor einer Insel vor dem abgelegenen Teil Schottlands, von dem sie stammt, samt Seehunden, Mythen, wortkargen Leuten und ziemlich schlechtem Wetter. Nora Fingscheidt war schon mit "Systemsprenger" einer weiblichen Person auf der Spur, die nirgends reingepasst und gegen alles angebrüllt hat. Ronas Geschichte könnte fast ein Sequel darüber sein, was ein schwieriges Elternhaus mit starken Individuen so anstellen kann. Im Gegensatz zu Systemsprenger hat "Outrun" aber weniger Sprengkraft, ist e...

EMILIA PÉREZ

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Hm. Schwierig. Jacques Audiard ist für mich eigentlich ein Qualitätsgarant und man kann auch sicher nicht sagen, dass dieser Musical-Film über einen transsexuellen Narco-Boss nicht originell wäre und keine großartigen Schauwerte hätte. Trotzdem bin ich etwas unterwältigt rausgegangen. Blöd nur, wenn man danach im Blog erklären will, warum, und es nicht wirklich zu fassen kriegt. Im Mittelteil kommt die Story etwas zerstückelt rüber, kein mitreißender Flow will sich einstellen. Aber vielleicht war mein Hauptproblem, dass ich zwar die großen Themen sehe - Drogengewalt, die Rolle der Frauen in Mexiko, Schuld und ein Mann, der die Seiten wechselt, aber dann eben doch nicht so richtig - aber keine klare Botschaft. Braucht man ja auch nicht immer. Aber wenn man so viele politische und gesellschaftliche Fässer aufmacht, sollte man vielleicht doch irgendwie zum Punkt kommen. Ist Emilia eine Utopie, die an der Realität der Geschlechterrollen zerbricht? Steht sie überhaupt für irgendwas oder wol...

CONCLAVE

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Sonntagnachmittag im November, wie die dunkle Zeit erhellen? Na klar, durch einen göttlichen Lichtstrahl von oben - Habemus Filmum! Der Papstwahl-Regisseur ist Ed Berger, der uns und den Oscars schon das Remake von "Im Westen nichts Neues" beschert hat und deshalb nicht sparen muss. Also wirkt es tatsächlich so, als hätte man im Inneren und Innersten des Vatikans gedreht, was natürlich optisch reizvoll ist. Und auch sonst werden hier allerhand geheime Skandale hochgespült - fast beschleicht einen das Gefühl, die Oberhäupter der katholischen Kirche seien auch nur stinknormale Männer, was natürlich komplette Fiktion ist, zwinker zwinker. Der Film greift mit vollen Händen in die diversen Problemtöpfe der Kirche und verhandelt sie auf gehobenem Mainstream-Niveau, während er eine Art gemäßigten "Name der Rose"-Plot ohne Wasserleiche erzählt. Am Schönsten finde ich eigentlich die weltlichen Details in all dem Kirchenbombast, die Raucherecke, die ständig entlaufenden Schil...

IN LIEBE, EURE HILDE

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Achtung, ich vermeide sonst Spoiler nach Möglichkeit, aber diesmal konnte ich mich ohne nicht ausreichend echauffieren. Also sind welche drin. Am Schluss hat natürlich das ganze Kino geheult. Vielleicht bin ich zynisch, aber obwohl ich mitgeflennt habe, fand ich es etwas wohlfeil. Junge Frau mit Baby, deren Mann schon hingerichtet wurde und dann Todesurteil, dann kommt auch noch Alexander Scheer als weltverständnisvollster Priester in die Zelle (wieso haben die Nazis den überhaupt reingelassen), wessen Tränendrüsen sollten da nicht leaken? Ehrlicherweise hab ich mich aber die ersten 90 Minuten im großen und ganzen eher gelangweilt. Und mich dabei noch schuldig gefühlt, immerhin geht's um die Rote Kapelle, junge Menschen, die etwas so Sinnvolles und Heldenhaftes getan haben, dass man angesichts der 50 Cent, die man gerade einer Obdachlosen zugesteckt hat, vor Scham eigentlich nur noch Harakiri begehen kann. Was also stimmte nicht? Einmal die Rückblenden, die - wohl zur Vermeidung vo...

THE APPRENTICE

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Wenn's euch geht wie mir, dräut euch in wenigen Tagen gefühlt die ultimative Zeitenwende, wenn ein schwafelnder, alter, hässlicher Mann mit güldenem Haar und machiavellistischem Gemüt einmal mehr versucht, die Macht an sich zu reißen und das Land bzw. die Welt seinem Diktat aus Schwachsinn und Bosheit zu unterjochen, aus mysteriösen Gründen unterstützt von etwa der Hälfte der Amerikaner. Also alles wie in Thürigen, nur größer und - leider - mit mehr Unterhaltungswert. So viel davon, dass sogar Kinofilme zum Thema gemacht werden. "The Apprentice" dreht sich nur im übertragenen Sinne um die TV-Show, die Trump berühmt gemacht hat. In erster Linie ist es eine... naja, Liebesgeschichte? Zumindest gesteht Roy Cohn, der von Jeremy Strong (aka Kendall in Succession ) zu Beginn derart hai-artig angelegt wird, dass einem das Blut in den Adern gefriert, irgendwann seinem Zögling Donny seine Gefühle. Da hat sich das Blatt schon gewendet und der zunächst fast ein bisschen sympathisch ...

THE SUBSTANCE

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Selten wurde soviel aus so falschen Körperteilen heraus "geboren" wie in diesem Film. Ich will nichts ausplaudern, aber man rechne schlicht mit allem. Spoilen ist hier eh überflüssig, niemand muss sich Sorgen machen, dass man irgendwas nicht mitbekommt. Subtilität ist Coralie Fargeats Sache nicht. Verbal wird nur mit Schlagwortsätzen gearbeitet und visuell auf die Kacke gehauen, bis man denkt, mehr geht nicht, und dann geht's erst richtig los. Demi Moore, im RL über 60 aber natürlich fit, strahlend schön und locker als die 50-jährige durchgehend, die sie spielt (was der Message des Films eine ganz eigene Ironie verleiht) hat als ehemaliger Hollywoodstar und jetzige Aerobic-TV-Tante ihr Haltbarkeitsdatum überschritten und ersetzt sich selbst durch ein jüngeres Ego. Leider gerät sie durch den exponentiell ansteigenden Selbsthass auf ihr älteres und die maßlose Vergötterung ihres jüngeren Ichs, bei der sie 1:1 die Meinung der Männergesellschaft übernimmt, in eine Art schizop...

SAD JOKES

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Ich war doch etwas überrascht, deutsche Komödie und so. Man kennt die Vorurteile, und auch ich bin schon des öfteren zum Lachen in den Kinokeller gegangen - oder erst gar nicht ins Kino. "Sad Jokes" von und mit Fabian Stumm ist was anderes; Schweighöfer und Konsorten sieht man hier nichtmal als Silhouette am Horizont. Durch die Bank feine, ernst guckende Arthouseschauspieler haben beiläufige kleine Szenen, in denen sie auf Stumm treffen, der stoisch und fast immer verbindlich auf sein Umfeld reagiert. Das ist albern, traurig, rührend, meta (Stumm spielt einen Filmemacher, der versucht, eine Komödie zu machen, die - offenbar - null lustig ist), melancholisch und stellenweise sogar dramatisch. Umso überraschender, dass man in einigen Szenen geradezu vor Lachen roflt. Und beschwingt rausgeht, einfach nur, weil man das Gefühl mitnimmt, das alle sich in ihrem kleinen Leben mit irgendwelchem Blödsinn, beknackten Mitmenschen oder der eigenen Unzurechnungsfähigkeit rumschlagen müssen...