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KILLERS OF THE FLOWER MOON

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Nachdem die größten orthopädischen Schäden durch ein paar Dehnübungen beschwichtigt sind, geht es geschwind ans Resumée (das Bettchen ruft!) der dreieinhalbstündigen Session. Hat es sich gelohnt, soviel Zeit im Kino zu verbringen, dass man auch fast im Zug nach München, recht sicher aber nach Nürnberg gelangt wäre? Beim Bingen etlicher Serienfolgen am Stück fragt man sich solches komischerweise nie, also grundsätzlich mal JA, und was will man schon in Nürnberg. Trotzdem hätte der selbstverliebte Regisseur gut das eine oder andere Darling killen können, aber nein, er muss sogar am Ende noch höchstpersönlich auf die Leinwand treten und einige mahnende Worte sprechen - was war nochmal das Greisenwort für "cringe"? Dennoch: man bekommt echt was geboten. Eine schaurige Lektion in Schlechtmenschentum und Rassismus, erteilt anhand eines historischen Falls, bei dem durch einen irrwitzigen Zufall ausgerechnet die Kolonialisierten plötzlich ans große Geld kamen, was für die vermeintlic...

PAST LIVES

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Gibt es den perfekten Film? Ein Freund meinte vorab zu mir, Past Lives sei für ihn der "perfekte Film" gewesen. Das klingt erstmal etwas technisch, perfekt nach allen anzulegenden Maßstäben der Filmkunst. Könnte aber auch das totale Gegenteil bedeuten, ganz zufällig haargenau auf ein Individuum passend, Arsch und Eimer, Bonnie und Clyde. Ich glaube, nachdem ich den Film gesehen habe, weiß ich, was er meint. Er ist langsam, aber erzählt ganze Leben. Er ist einfach und zugleich extrem vielschichtig. Er ist total berührend, aber nicht kitschig. Er kommt ohne so viele Dinge aus, ohne die die gewohnte Spannungsdramatik niemals auskommt. Er ist ganz klein und gleichzeitig groß. Er behandelt das spezielle Thema der Emigration und Entwurzelung genauso wie das Thema, ob man im Leben immer derselbe Mensch bleibt oder nicht. Er bringt beim Thema Liebe völlig ungewöhnliche Fragen und vielleicht sogar Antworten ins Spiel. Und am Ende schniefen alle im Kino und schwelgen beim Bier danach n...

BARBIE

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 Ja, ich hab's getan. Obwohl ich vorher auf sozialen Netzwerken noch ausführlich rumgemäkelt hatte, wollte ich nach zwei Jahren pinker Dauerbeschallung einfach wissen, ob ein von Mattel coproduziertes Marketingvehikel für Plastikpuppen mit einer Arthouse-Regisseurin irgendwas anderes sein könnte als eine abgrundtiefe Peinlichkeit. Und siehe da: der Film ist lustig! Er ist auch keineswegs zurückhaltend, wenns darum geht, das Prinzip Barbie zu hinterfragen, das von jeher idiotisch war - einerseits eine Puppe mit Proportionen, die einen echten Menschen sofort töten würden und nur einem kranken 50er Jahre-Männergehirn entsprungen sein können (gut, die Erfinderin war eine Frau, aber hat sie auch die Proportionen erfunden?), andererseits der seltsame Anspruch von Mattel, mit ebendiesem Spagatwunder eine emanzipatorische Vorreiterin zu schaffen, die alles erreichen kann, was Männer erreichen können. Genau diese Mischung wird im Film-Barbieland zum Leben erweckt, und ist dementsprechend be...

ROTER HIMMEL

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Ist es ein Kompliment, wenn man den neuesten Film von Christian Petzold mit den Worten lobt, er sei so "angenehm unpetzoldig"? Ich schätze, wenn du's so weit gebracht hast, dass dein Name als Verb oder Adjektiv benutzt wird, ist das zweitrangig. Und was genau damit gemeint ist, kann ich eh nur watteweich umreißen... irgendwie unprätentiös, das Spiel nicht so kühl distanziert, und, ach ja, nicht unwitzig. Der dargestellte Jungliterat Leon, gespielt von Thomas Schubert, dem schluffigsten Newcomer Deutschlands, der seine schwitzigen paar Pfund Überschuss mit herzallerliebster Körperklausigkeit durch MeckPomm schleift, wird vor lauter Passiv-Agressiveness von allen für ein Arschloch gehalten, vor allem von sich selbst. Und dann kommen zu den Versagensängsten und Schreibblockaden auch noch wirre Gefühle dazu. Das Setup hadernder Schreiberling kennt man irgendwie. Dass es trotzdem nicht im Klischee versackt, sondern man Schubert liebend gerne bei seinen peinsamen Verrenkungen u...

DER FUCHS

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Hoffentlich läuft der jetzt überhaupt noch. Ist nämlich ein eher kleiner Film, mit einem eher kleinen Fuchs, zumindest über weite Strecken. Der junge Regisseur und Autor Goiginger erzählt hier von seinem Urgroßvater, der Soldat im "Kriege" war, zuerst an der Westfront, wo er den Fuchswelpen fand, später an der Ostfront, wo er den Fuchs nicht mit hinnehmen konnte. Stalingrad bleibt uns also diesmal erspart. Vermutlich besser so, auch aus Budget- und Tierschutzgründen. Es geht ohnehin nicht wirklich um den Krieg, der mehr als Kulisse dient, sondern um den Franz, der als Kind aus Armutsgründen weggegeben wird und den Fuchs als eine Art Therapietier nutzt, um darüber hinwegzukommen. Das ist einerseits empathisch und recht schön erzählt, mit einem sozial und kommunikativ rührend hilflosen jungen Mann (Simon Morzé), der unbedingt irgendwo dazugehören will, aber mit anderen Menschen einfach nix anfangen kann. Wobei hier und da doch zu üppig Melodramasoße vergossen wurde. Es ist halt...

SISI UND ICH

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Man beachte: wenn Sisi und nicht Sissi draufsteht, handelt es sich um das Update. Nicht um die supersüße Romy mit den putzigen Hütchen und der nervigen echten Mama, die so helikoptermäßig drauf war, dass sie sogar noch im Film die nervige Mama geben musste. Aber ich schweife ab... (österreichisch prononzieren bittschön!) Aktuell kann man sich mit Sis(s)i-Stoffen totschmeißen, Serien, Romane, und jetzt auch noch fast parallel Stücker zwei Arthouse-Filme. Wieso eigentlich? Kann ja kein Zufall sein, muss also was mit der allgemein verbreiteten Bulimie-/Wellness-/ Selfie-/ Insta-/Egomania zu tun haben, als deren Vorreiterin (sic!) Elisabeth gesehen wird. "Corsage" zeigte schon deutlich die Kehrseiten des Kaiserinnendaseins, man ließ sich bei Hofe durch Doubles vertreten, sportelte und hungerte wie blöd mangels einer erlaubten anspruchsvollen Betätigung, umgab sich mit Gespielinnen und schwulen Königen/ Herzögen und war dennoch zeitlebens bloß des Flitscherl von Franzls Gnaden, eg...

TÁR

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Manche finden ihn ja prätentiös. Klar, kann man drauf kommen, die edlen Bilder, die elitäre Grundhaltung der eisigen Hauptfigur, das beiläufige Fachgesimple übers Dirigieren, die unfassbar lässigen Hosenanzüge, allein die viel zu stylische Hütte, die sich Lydia Tár mit Nina Hoss, äh, ihrer Lebensgefährtin in Berlin teilt. Kennt man so nicht aus dem eigenen Umfeld. Vertrauter kommt einem da eher die kleine Butze vor, in die Madame sich zum Komponieren zurückzieht und wohl auch für das eine oder andere Schäferinnenstündchen, genau weiß man's nicht. Aber das grenzt ja dann auch eher an Slumming, denn die ätherische Cate B. in Neukölln ist so ziemlich der größtmögliche vorstellbare Culture Clash, da hätte es die versifften Nachbarn gar nicht gebraucht. Aber hey, nur wer hoch steht, kann tief fallen. Darum ergibt es schon Sinn, sich erstmal genüsslich in Társ Hybris zu suhlen, in der sie gewandt und ungetrübt von Selbstzweifeln Wokenessfallen meistert, unliebsame Kinder auf Deutsch ansc...