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The Odyssey

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Muss man dazu noch was schreiben? Waren ja eh schon alle drin! Aber die Klappe zu Filmen zu halten war noch nie meine Stärke, hier also einige Anmerkungen zu Nolans Ansatz, die Mutter aller Heldenreisen neu zu visualisieren. Zur kreuzdämlichen Debatte, welche Besetzung politisch korrekt ist, sage ich genau nichts, dazu möge man andere Quellen befragen (aber Lupita Nyong'o als Helena und Klytemnästra ist schon sehr cool). Vorausgeschickt: ich hatte Spaß und hab mich die knapp unter 3h solide unterhalten, allerdings bei näherem Hinsehen mit großen Qualitätsunterschieden der einzelnen Episoden, von überflüssig (silberne Roboter-Riesen, die vermutlich die Lästrygonen darstellen sollen) über bieder und klobig inszeniert (eigentlich fast alles bei Hofe auf Ithaka) bis in den besten Momenten fast Kurosawa-esken traumartigen Sequenzen (Circe, Hades).  Die Anti-Kriegs- und Untergang-des-Abendlands-Botschaft kommt rüber. Ständig wird auf dem „Law of Zeus“ rumgeritten, was wahlweise Gastfreun...

WAS HABEN WIR GELACHT

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Hella von Sinnen hab ich mir früher nicht angeguckt. Überhaupt war in meiner Bildungsbürgerkinderbubble RTL unter Niveau. Natürlich kannte man die trotzdem. Aber als ich sie jetzt da sitzen sah, mit ihrer weißen Warnschilderjacke und dem grellen Lippenstift im maximal genervten Gesicht, nicht ein Statement, sondern eine Lawine von Statements, die alle sowas sagen wie fuck you, ist mir egal, ich lass' das jetzt so, da hat sie mich richtig vom Hocker gehauen. Es war in den 80ern und 90ern halt wie mit Thatcher in der Politik, als Frau ging es nur auf die harte Tour im deutschen Fernsehen, und was das hieß, das erzählen diese fünf Damen auf eine sehr reflektierte Art, die auch die eigene Rolle hinterfragt, während sie einigen der Herren natürlich sauber einschenken. Dass die dazu einfach mal nichts sagen dürfen, ist erholsam. Trotzdem ist es im Grunde ein trauriger Film, auch wenn nur Esther Schweins, der "Schönen" unter den Fünfen, die nur passiv lustig sein durfte, mal die...

SCHÖNE SEELEN (UND ANDERE FILMFESTAUSBEUTEN)

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 Man kann schlecht sagen, dass August Diehl ein unterschätzter Mime ist, aber ich WILL sagen, dass ich immer wieder erstaunt bin, wie verdammt gut er ist. Wandelbar Hilfsausdruck. Womit wir bei Josef Hader wären, der, wie man weiß die Apotheose des Kabaretts verkörpert, aber auch sehr gut schauspielert, nur eben immer ein bisserl einen ähnlichen Typus. Stichwort irgendwie armselig und leicht schmierig. So auch Herbert, in Andalusien lebender und wirkender Expat, der sich als großer Zampano des Nachtlebens betrachten möchte, aber leider über ein, ich nenn’s mal, gewisses Niveau noch deutlich unter Jürgen Drews nicht hinauskommt. Auch seine Angestellten, die er aus desolaten Zugereisten rekrutiert, lassen menschlich und professionell zu wünschen übrig. Freddy, daheim ein Totalversager, erscheint im Vergleich beinahe als leuchtendes Vorbild, denn er ist zwar irrsinnig naiv, aber durchaus empathiefähig und eigentlich voll liab. Blöd, dass die Vorgänge im vermeintlichen Paradies ihn sch...

BACKROOMS

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Ich geh nicht so gern in Horrorfilme, weil ich mich dort unwohl fühle, was ich in Problemfilmen komischerweise nicht tue. Aber wenn man per MUBI GO den Hype schon für lau unter die Nase gerieben kriegt… und außerdem ist es ja schön kühl im Kino. Also weiß ich jetzt, was eine „Creepy Pasta“ ist. Das sind nämlich so kleine Gruselwebserien im Netz, weitergedichtet und gepostet von UserInnen. Und aus solch einem offenbar wahnsinnig bekannten Liminal Space-Mama Miracoli-Gruselserienspaghetti hat nun ein 19-jähriger Herr namens Kane Parsons ein magenfüllendes Fertiggericht gezaubert. Es sei mir gestattet, das Rezept zu spoilen: 2 Prisen „The Shining“, ein Hub „Severance“, ein Löffelchen Dali (der kam im Kunst-LK vor), zwei Escher-Würfel (aufgelöst in Urin, von wegen Farbgebung) und das Aroma von ca. 3000 angesagten Games, die ich alle nicht kenne – das meiste basiert ja jetzt auf Games, die ich nicht kenne. Doch vorerst lehnte ich mich erleichtert zurück, als ich Renate Reinsve auf der Leinw...

(THE) GOOD BOY

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Es sei angemerkt, dass der hier besprochene Film im Original „THE Good Boy“ heißt, da es letztes Jahr einen Horrorfilm namens „Good Boy“ gab, der aus der Perspektive eines Hundes erzählt wurde. Das geschieht hier nicht. Dafür spielt in „THE Good Boy“ auch ein Halsband eine Rolle, nur das dieses ziemlich schwer ist und von einem Menschen, Tommy, getragen wird. Tommy, ein „obnoxious young lad“ und fleißiger Tiktoker, hat sich gewaltig danebenbenommen, dies einmal zu oft gepostet und findet sich nun in der „Obhut“ einer äußerst fragwürdigen Familie wieder. Die überaus schwarze Pädagogik, die dort angewandt wird, um ihn auf den rechten Pfad zurückzuführen, erinnert (wohl nicht zufällig) an "A Clockwork Orange", und auch Andrea Riseborough als würdige Wiedergängerin von Shelley Duvall in „The Shining“ würdigt Kubrick, den Altmeister ungemütlicher Moralstücke. Überhaupt hat die polnisch-britische Koproduktion von Jan Komasa etwas aus der Zeit Gefallenes, auch das leicht schauerlich...

THE DEVIL WEARS PRADA 2

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Nun wollen natürlich alle, die vor 20 Jahren Teil 1 mochten, wissen: bringt’s das noch oder wird man sich im Kinosessel angesichts des Verfalls der DarstellerInnen, der Qualität der Sprüche und des ziemlich gestrigen Themas vor Ödnis winden? Die MacherInnen waren sich dieser Gefahren natürlich völlig bewusst und sind konfrontativ damit umgegangen: dem Untergang geweiht ist hier eigentlich alles. Mirandas (Meryls) Imperium, Modezeitschriften per se, Stilbewusstsein per se, Journalismus, und implizit auch die gute alte stilvolle Welt ohne alles gleichmachende Tech-Mogule, hier verkörpert von einem charme- und geschmacksbefreiten Zuckerberg-Verschnitt, der Miranda sogar dazu zwingt, rauszufinden, wo sich die Betriebskantine befindet. Die Damen selbst hingegen strahlen und zicken wie eh und je, die Sprüche und Frisuren sitzen, die Figuren, allen voran Emily, haben an Profil fast noch zugelegt und wahren Fans werden schon Meryl Streeps Blicke genügen, die fast ihren eigenen Oscar verdient h...

ROSE

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Rose, einmalig gespielt von national treasure Sandra Hüller, ist eine Veteranin, die die Schnauze voll hat, nicht nur von den Kugeln, die ihr dieselbe durchlöchert und ihrem Gesicht herbe, fast männliche Züge verliehen haben. An den Fronten des gnadenlosen endlosen Krieges hat sie schon als Mann gekämpft, warum sollte sie nun, da sie endlich die Chance auf ein gutes, selbstbestimmtes Leben hat, wieder ins Kleidchen zurück, und damit in das Schicksal, jederzeit angegriffen, vergewaltigt, einem „Herrn“ unterworfen zu werden, wenn es diesem beliebt? Rose will mehr und riskiert damit so einiges. Aber sie gewinnt auch viel, und selbst ihre naive „Ehefrau“ (ganz toll und unberechenbar: Caro Braun) erweitert zum eigenen Verblüffen ihren Horizont bei diesem gefährlichen Experiment. Regisseur Markus Schleinzer hat dafür eine ganz eigene zugleich sperrige, reduzierte und doch kunstvolle Form des Erzählens gefunden. Die schwarzweißen Bilder zeigen die Berge skelettierter Kriegsopfer genauso ruhig...

PILLION

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Ja, ich bin ein Skarsgård-Fanweib, geb ich zu. Aber es ist nicht nur sein Körper. Der Gute macht sich bei aller Schönheit grundsätzlich null komma null Sorgen, ob die Rollen die er spielt, sympathisch oder gesellschaftlich sanktioniert rüberkommen. Auch hier muss sich Ray, wie der Biker-Traumtyp des kleinen, krumpeligen Losers Colin heißt, von dessen Mutter einiges anhören, das auch nicht völlig an den Haaren herbeigezogen ist. Apropos an den Haaren herbeiziehen: die Selbstkontrolle des Regisseurs Harry Lighton, Depeche Mode’s „Master and Servant“ nicht mit in den Soundtrack aufzunehmen, grenzt selbst schon an Masochismus. Die britische „Dom-Com" hält sich in punkto expliziter Darstellung von BDSM-Techniken nicht groß zurück und wer in dieser Hinsicht zart besaitet ist, sollte vielleicht doch lieber Bridgerton oder sowas gucken. Das Schöne ist, man geht trotzdem oder vielleicht sogar deswegen beseelt lächelnd nach Hause, denn hinter all dem Schwanzgelutsche und Erniedrige steckt e...

FATHER, MOTHER, SISTER, BROTHER

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Ich will schon gar nicht mehr schreiben, weil ständig nur Gemecker von mir kommt. Aber Jim Jarmusch war doch mein Held. Er war das einzig Coole in meinem Leben als ich pubertierte. Stranger than paradise, Down by Law, Tom Waits und John Lurie, das war einfach die Apotheose der Kultigkeit. Zugegebenermaßen lange her, und auch ich hab inzwischen längst nicht mehr bei jedem Jarmusch gejubelt, obwohl er immer noch tolle Schauspieler um sich schart, die vielleicht auch eher aus Nostalgie mitmachen. Wobei die erste Episode noch geht. Die bleibt unter ihren Möglichkeiten, aber sie hat schon was, vielleicht ja genau, weil die Figur, die Tom Waits spielt, 100% Tom Waits ist, während alle anderen (hier: die beiden Sprösslinge, gespielt von Mayim Bialik und Adam Driver, die nichts dafür können) nur noch spießige Langweiler sind. Hat Jarmusch sich am Ende selbst erkannt und das ist alles total meta? Für die Mutter-Episode konnte er die leibhaftige Charlotte Rampling gewinnen, was ebenfalls schon e...

HAMNET/ IT WAS JUST AN ACCIDENT/ ACH, DIESE LÜCKE

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Maxi statt Mini: Um den geballten Filmkonsum seit meiner Rückkehr aus dem Land des Lächelns (wer denkt, dass das China ist, war noch nie in China) irgendwie zu verarbeiten, hier einer meiner wenig beliebten Sammeleinträge, und sei es nur für mich, denn die Archivarin muss archivieren, sonst verliert sie ihren zweiteinzigen Lebenszweck neben mindestens einmal täglich irgendwo ordentlichen Kaffe herkriegen. Here goes: Hamnet. Schon das Buch, das ich im Urlaub genoss, nervte mit endlosen Beschreibungen von Kräuterstampferei (eine reine Frauentätigkeit, denn Herren arbeiten mit dem Kopfe) und natürlich der maximal ausgereizten Beschreibung eines Kindstodes incl. extensiver Vor- und Nachgeschichte. Und auch der Film (ja, warum wollte ich den dann auch noch sehen, kann man sich durchaus fragen) geht dahingehend voll auf die 12 und macht sich deshalb für mich der hochgradigen Manipulativität verdächtig, obwohl er durchaus auch seine tollen Momente hat. Ich weiß übrigens gar nicht, was das Gan...

THE SECRET AGENT/ O AGENTE SECRETO

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Einen hab ich noch vor der Winterpause. Vielleicht hat ja jemand in der "staden Zeit" 2-3 Stündchen übrig, um einen wunderschön gedrehten, schwarzhumorig-skurrilen brasilianischen Film zu betrachten? In dem Udo Kier, Friede seiner Asche, einen so tollen und wie verstörenden Cameo-Auftritt hat? In dem Fall würde ich diesen hier empfehlen. Man muss sich auch innerlich etwas Zeit nehmen. Darauf, dass die Handlungsstränge vor dem nur vage zu erkennenden Background der Militärdiktatur in den 70ern zusammenkommen, braucht man nicht zu warten, irgendwann kommt es dazu, aber der Weg ist hier das Ziel. Bis es soweit ist, gucken wir einem attraktiven, aber verlustgepeinigten Herrn mit sonnengelbem VW-Käfer dabei zu, wie er versucht, dem langen Arm der sogenannten Staatsgewalt zu entgehen, die ihm erstmal nur die Zigaretten wegnimmt, während ein paar Meter weiter eine erschossener Mann unter einem Stück Pappe vor sich hinverwest, den keiner abholen will. Dabei treffen wir nach und nach ...

SORRY, BABY

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Ich finde den ja toll. Die Hauptdarstellerin Eva Victor hat auch Regie geführt und das Buch geschrieben und sich im Übrigen das Filmemachen während des Lockdowns selbst rangeschafft. Wahrscheinlich geht ihre Figur Agnes (Lamm Gottes, sic! sic! sic!) auch deshalb nicht oft vor die Tür, wenn sie nicht muss, zur Sorge ihrer Busenfreundin. In der Geschichte hat das allerdings andere Gründe, die ich nicht verrate, nur soviel: manchmal dauert es eine Weile, bis man schlimme Dinge verarbeitet, vielleicht klappt es auch nie so ganz, aber wäre doch schön, wenn das Leben trotzdem noch eine Chance kriegt. Eva Victor ist die Art von Person, bei der man nicht wegschauen kann, weil man sie nicht so richtig zu fassen kriegt und so jemanden noch nie gesehen hat, obwohl sie einem gleichzeitig vertraut vorkommt. Den Film als „extrem witzig“ zu beschreiben wie auf dem Poster und in diversen Blurbs geschehen, schrappt voll an der Sache vorbei. Ich würde eher mit sowas wie „lakonisch“ oder „melancholisch...

Sentimental Value

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Da ich mein geneigtes wenn auch winziges Publikum gerne mal überrasche, ziehe ich nun nicht den naheliegenden Vergleich zwischen Joachim Trier und Lars „von" Trier. Letzteren verehrt ein geschätzter Filmblog-Kollege gleich derart, dass er den anderen Trier bisher gar nicht bemerkt hat, und nun die fälschlich erworbene Kinokarte gleich im hohen Bogen von sich warf. Ein Fehler! Trier der Jüngere hat vor nun auch schon 14 Jahren den furchtbar traurigen Film „Oslo, 31. August“ gemacht, mit dem er sofort in meine best-of-Liga aufstieg. Und da ich Skandi-Fan und alt wie das Meer bin, war mir schon 5 Jahre vorher „Reprise" über ein paar sehr gesprächige junge Möchtegern-Autoren positiv aufgefallen. Doch ich abschweife. In seinem neuesten und vielleicht komplexesten Werk stachen mir einige Parallelen zu „In die Sonne schauen" ins Auge. Das alte Haus, das gleich zu Beginn eine Persona bekommt, die wechselnden Leben darin, und die Spiegelungen der Frauenschicksale die damit verbun...

ZOOTOPIA 2

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Gut, ich bin dann doch nicht gleich ins Theater, sondern zur Erholung erst noch in einen Kinderfilm. Natürlich in einen, der zumindest kleinen Kindern viel zu rasant ist und bei dem sie 80% der Witze und Anspielungen nicht verstehen, aber dennoch von den Eltern reingeschleift werden, die zur Abwechslung mal Spass (mit kurzem A und Doppel-S) haben wollen, anstatt sich in jegliche Resthoffnung in Atome zerlegenden "Erwachsenenfilmen" selbst zu geißeln. WIR brauchen dafür nicht mal Kinder, wir regredieren ganz von allein: Welcome to Zootopia! Hier stimmt noch die Message, die auch nicht eben subtil vorgetragen wird - antirassistisch, antidiskriminierend, antifaschistisch - und ratet mal, ob das Gute oder das Böse siegt! In den aktuellen Erwachsenenfilmen darf das Gute ja nicht mehr siegen, da man sich sonst sofort der Primitivität und Parteinahme verdächtig macht, nihilistisch muss es sein und alle müssen unbedingt totale Arschlöcher sein, wie in der richtigen Welt halt. In Zoot...

EDDINGTON

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Ich mach's kurz: geht da nicht rein. Macht was anderes, was Schöneres. Geht mit Freunden auf ein Glaserl Gülle, oder lernt meinetwegen den Koran auswendig. Mir reicht's jedenfalls. Wie lange war ich nicht mehr mit oder in einem Film richtig beseelt, beglückt, begeistert. Liegt es an mir, oder drischt einfach fast jede(r) nur noch irgendwas zusammen, ohne Herzblut und Konzept, einfach ein paar Edelmimen aufstellen, weil man es halt kann, und sich dann auf den Lorbeeren des früheren Schaffens ausruhen und irgendwas Krudes zusammenstümpern, wird schon passen. Jeder gegen jeden, Chaos und Gewalt passen ja zu unserer Zeit, das geht schon durch als die große Gesellschaftskritik. Alle werden sich doof vorkommen, weil sie nicht wahrhaben wollen, dass jemand wie Ari Aster es schafft, derart zynischen, stinklangweiligen, hirnlosen Mist zu bauen. Meanwhile las ich gerade (nicht im Koran), Herr Trump wünsche sich "Rush Hour" Nummer 4 von Hollywood, weil er solche Filme liebt, und...

BUGONIA MEETS AMRUM, ODER AUCH NICHT

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Letzte Nacht träumte mir, die Aliens wären auf Amrum gelandet, aber am Ende waren es doch nur ganz gewöhnliche Nazis. Grund genug für mich, einfach zwei Filme in einen Blogpott zu packen, die null Komma janüscht miteinander zu tun haben. Ich muss einfach wieder auf Stand kommen. Und für mich haben sie eine Gemeinsamkeit: ich fand die beide nur so mittel. Amrum ist atmosphärisch gedreht und hey, warum soll man nicht das große politische Theater in einem winzigen Inselkosmos erzählen, verstehen wird man es so oder so niemals. Und dann stirbt auch noch Hark Bohm, dessen Geschichte das ist, und zusätzlich ist es sichtlich eine Hommage an dessen Filme... nach Fatih Akin Film sieht es jedenfalls mal sicher NICHT aus. Quasi intrinsische Veredelung. Trotzdem fand ich ihn ein bisschen zu seicht und rührselig, allen voran die Szenen mit den geflüchteten Kindern, die leider auch einfach schlecht inszeniert und gespielt waren (anders als der Rest), warum auch immer. Und das ganze Hans-im-Glück-Tau...

DIE MY LOVE

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Es tropft Muttermilch und Blut. Die Frau, aus der die Körpersäfte entrinnen, gespielt von Jennifer Lawrence, die sich hier hingebungsvoll jede erdenkliche Blöße gibt, will alles intensiv erleben, und steckt doch in einer tödlichen Ödnis aus Einsamkeit, frischem Baby, vergangenem Liebesrausch und nervenzerfetzendem Gekläffe des neuen Schoßhündchens fest. Ich spoile hier ausnahmsweise ein bisschen, weil es kein Film ist, der groß auf Handlung aufbaut, es geht um Atmosphäre und innere Prozesse, die teils toll, teils klischeehaft (schwarze Stute, schwarzer „Hengst", really jetzt?) visualisiert werden. Grace, so heißt die Dame mit den immer schlecht sitzenden Klamotten, die sie im Grunde eh nur abwerfen will, ist derart weit entfernt von der Rolle, in die das Umfeld samt Partner (Robert Pattinson) sie mit Pseudoverständnis und guten Worten reinlabern will, dass es nur noch absurd erscheint, wenn sie irgendwann sowas Ähnliches wie einen Kuchen produziert. Dabei würde ein Teil von ihr da...

THE MASTERMIND

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Diesen Eintrag hätte ich direkt nach "One Battle.." machen müssen, Asche auf mein Haupt. Weil die beiden Filme einfach so irrsinnig konträr sind, dass es sehr lustig ist, sie direkt hintereinander zu sehen, wie ich es (unabsichtlich) getan habe. Der Titel dieses sogenannten "Heist-Movies" - trieft vor Ironie, denn die von Josh O'Connor, dem diesjährigen Timothée Chalamet, gespielte Loserfigur, hält sich vielleicht kurz mal für einen Mastermind, als er den grandiosen Coup plant, im örtlichen Kunstmuseum ein paar Bilder zu klauen, bzw. klauen zu lassen. Und sogar die Polizei betitelt ihn so. Doch das Ausmaß an Inkompetenz aller Beteiligten ist wirklich atemberaubend. Anders als das Tempo des Films, das ist enorm beschaulich. Aber was dieser Typ mit seiner verdrehten Selbstwahrnehmung seiner Familie antut, ist vielleicht gerade deshalb besonders schlecht auszuhalten. Kelly Reichardt, die ich verehre, weil sie immer über die vergessenen Leute und Verhältnisse erzähl...

AFTER THE HUNT

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Kein Wunder, dass die oberschlaue Professorin Magenprobleme hat. Mir ist auch schon ganz übel. Julia Roberts kann zwar was, das ist zu erkennen, aber sonst funktioniert hier für mich rein gar nichts. Angefangen damit, dass sich Mitglieder einer philosophischen Fakultät beim abendlichen Weintrinken bestimmt nicht derart ultraprätentiöse Platitüden um die Ohren hauen. Ok, die Figuren sollen alle eitle, missgünstige und machtgeile Arschgeigen sein. Ist ja jetzt auch nicht direkt abwegig, und wirkt nur im Falle der so grundsympathischen Ayo Edebiri (The Bear), die hier auch noch als schwarzes Nepo-Baby herhalten muss, hergebetet. Aber der Regisseur findet darüber hinaus einfach keinen Punkt und lässt die armen Characters endlos hin- und herwabern, labern und protzen, ein Missbrauchsfall muss her, der an den Haaren herbeigezogen wirkt (obwohl ich persönlich Andrew Garfield überhaupt nicht mag und ihm alles zutraue, aber es passt dennoch nicht), die tolle Chloe Sevigny taucht in einer überfl...

ONE BATTLE AFTER ANOTHER

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Leo ist natürlich der Dude. Nur rennt in meiner Erinnerung der Ur-Dude nicht annähernd soviel rum wie er, wobei der lange Bademantel tierisch stört. Aber Pat oder Bob oder wie Leonardos Ex-Revoluzzer gerade heißt, bemerkt das karierte Ding nichtmal, es ist ihm in seiner Zeit als Schläfer zur zweiten Haut geworden. P.T. Anderson kann sich eine derart kultige Referenz erlauben, er fabriziert schließlich selbst gerne Kultfilme. "One Battle" wird sich vielleicht nicht unter Meisterwerken wie Boogie Nights oder The Master einreihen, aber auch hier gibt es Momente und Figuren, die man sicher nie mehr vergisst, so genüsslich werden sie in ihrer unendlichen Coolness (Benicio del Toro als Sensei - "ocean waves...") oder Widerlichkeit (Sean Penn als so ziemlich der ekelhafteste - ja was eigentlich alles? - aller Zeiten) präsentiert. Leos blödgekiffter Held ist lange nur Spielball des ganzen Irrsinns, und wird von zwei sehr unterschiedlichen weiblichen Figuren flankiert, von...