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VATERLAND

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„Vaterland“ ist ein Heimspiel. Erstens hat der Film den passendsten und doch doppeldeutigsten Titel aller Zeiten, über den man, wenn man will, richtig lange nachdenken kann. Zweitens passt er auf die aktuelle Lage, über die ich mich aus Gründen, die im Titel dieses Blogs stehen, nicht ausbreiten will, wie Siegmund auf Eimer. Aber er zeigt auch präzise und in erstaunlich wenigen, aber so vieles anreißenden Bildern die zum Verzweifeln traurige Familie Mann, die dennoch (oder deswegen) eine der besten war, die wir hatten, denn trotz aller interner Vernachlässigung, Bevorzugung, Eitelkeiten, Verwahrlosung, Kontrolle, trotz allen Verschweigens und gleichzeitig Beschuldigens, verstanden sie doch genau, wer sie waren und sein mussten, und waren weit weniger verloren als die, die in dem moralisch und buchstäblich zu Asche zerfallenen Land verharrt hatten. Das ist so lakonisch wie atemberaubend erzählt und sieht auch noch unglaublich gut aus. Eine dunkle Perle von einem Film, die nichtmal Devid...

STAATSSCHUTZ

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Bin ehrlich gesagt nur reingegangen, weil eine gute Freundin und ihr 19-jähriges Töchterlein mich gefragt haben, und ich werde einfach gern was gefragt. Doch ich ahnte schon vom Trailer her, dass das nicht unbedingt mein Lieblingsfilm wird. Töchterlein fand den Film fantastisch, und ich verstehe das und heiße das ausdrücklich gut. Denn wer, derdie nicht ethisch-moralisch komplett verrottet ist, wollte behaupten, dass das Thema Rassismus, Rechtsruck und rechte Unterwanderung staatlicher Behörden nicht unfassbar wichtig  und relevant ist. Und das auch noch in einen Thriller verpackt, der natürlich mehr Publikum anlockt als eine Reportage im ZDF - absolut, unbedingt und mehr davon! Nur mir persönlich hat es jetzt nicht so gut gefallen. Fand es dann doch ziemlich unglaubwürdig gemacht. Nicht per se, dass die Polizei unterwandert ist, auch nicht, dass es in der Gerichtsbarkeit hier und da fragwürdige Leute gibt, die ihre Freunde aus der Schmuddelecke schonen wie Oma selig ihre Brokatbez...

TEENAGE SEX (AND DEATH) AT CAMP MIASMA

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 Es war einmal eine junge, queere, polyamore Regieperson, die schon als Kind für Slasherfilme schwärmte und als Teenager mit dem Freundeskreis Amateur-Horrorfilme drehte. Die Mysogynie und (offenbar auch) Transfeindlichkeit der alten Slasher-Klassiker wie Nightmare on Elm Street hat genervt und musste daher später im eigenen Filmwerk aufgearbeitet und intellektualisiert werden. Und dies wenn möglich auf eine nicht allzu didaktische und humorlose Art und Weise, damit es die Leute auch angucken. Und weil man schon ein paar ganz erfolgreiche Filme gemacht hatte, willigten zwei aus Film und TV bekannte und sehr angesagte Schauspielerinnen ein, mit ihr zu arbeiten. Mehr muss man kaum sagen, denn das vorliegende Werk ist mehr oder weniger Jane Schoenbruns eigene Geschichte, gemixt mit ihren Lieblingsfilmen plus eine Prise Wunschdenken. Vielleicht noch, dass das Ergebnis aus o.g. Gründen schon sehr nach Privatvergnügen riecht und man ziemlich schulterzuckend drinsitzt, weil das alles ein...

EVERYTIME

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(Spoilerfrei, was hier mal richtig schwierig war. Drum klingt manches vielleicht etwas geheimnisvoll, aber der Film ist es ja auch.) Schrecklich ist das. Zerschmetternd ist das erste Wort, das mir zu "Everytime" einfällt, und dann geht es eine ganze Weile lang um das Nichts, das plötzlich da ist, und um das herum man sein Leben irgendwie weiterüberlebt, bis plötzlich etwas außerhalb der Wirklichkeit passiert, das man als Rettung begreifen kann oder auch als Kapitulation vor dem Unerträglichen. Und da ist dann noch ein Junge, der Lux heißt, aber erstmal sehr viel Dunkelheit spendet... Jemand bemängelte kürzlich an Birgit Minichmayr ihre spröde Art, dass man ihren Figuren Gefühle nie ansehen könne, und kapierte natürlich gar nicht, dass gerade das ihre ganze große Stärke ist. Weil man ja eh weiß, was diese Ella fühlt und es tausendmal schrecklicher ist, dass sie das in keinem Moment zeigen kann und darf, weil sie dann nicht weiterleben könnte. Bis sie losfahren und versuchen, w...

OBSESSION

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Ich weiß, late to the game. Aber ich trau mich ja gar nicht so gern in Horrorfilme, obwohl ich in letzter Zeit mehr und mehr merke, dass es mir gar nicht mehr soviel ausmacht, wenn sich Leute gegenseitig die Augäpfel rauspulen. Vermutlich, weil sowas inzwischen in jeder zweiten Familienserie vorkommt. Obsession hat schon ein paar unangenehme Momente, die aber auch immer ein winziges bisschen komisch sind. Wahrscheinlich, weil es im Subtext immer um reale (Achtung, Wort aus dem Giftschrank) „toxische" Beziehungsdynamiken geht, die auf die Spitze getrieben werden. Kombiniert mit etwas magischem Realismus wie in den Verwandlungskomödien der 80er, wo quasi aus jedem Kaugummiautomaten eine alternative Existenz gezogen wurde. Rührenderweise stellt der Film aber auch die Frage danach, was Liebe ist, und was nicht. Und am Ende (no spoiler) sieht man sie sogar mal ganz kurz, die wahre Liebe, wenn auch auf wenig romantische Art. Der Regisseur Curry Barker ist mal wieder jung, 26. Offenbar t...

THE ODYSSEY

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Muss man dazu noch was schreiben? Waren ja eh schon alle drin! Aber die Klappe zu Filmen zu halten war noch nie meine Stärke, hier also einige Anmerkungen zu Nolans Ansatz, die Mutter aller Heldenreisen neu zu visualisieren. Zur kreuzdämlichen Debatte, welche Besetzung politisch korrekt ist, sage ich genau nichts, dazu möge man andere Quellen befragen (aber Lupita Nyong'o als Helena und Klytemnästra ist schon sehr cool). Vorausgeschickt: ich hatte Spaß und hab mich die knapp unter 3h solide unterhalten, allerdings bei näherem Hinsehen mit großen Qualitätsunterschieden der einzelnen Episoden, von überflüssig (silberne Roboter-Riesen, die vermutlich die Lästrygonen darstellen sollen) über bieder und klobig inszeniert (eigentlich fast alles bei Hofe auf Ithaka) bis in den besten Momenten fast Kurosawa-esken traumartigen Sequenzen (Circe, Hades).  Die Anti-Kriegs- und Untergang-des-Abendlands-Botschaft kommt rüber. Ständig wird auf dem „Law of Zeus“ rumgeritten, was wahlweise Gastfreun...

WAS HABEN WIR GELACHT

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Hella von Sinnen hab ich mir früher nicht angeguckt. Überhaupt war in meiner Bildungsbürgerkinderbubble RTL unter Niveau. Natürlich kannte man die trotzdem. Aber als ich sie jetzt da sitzen sah, mit ihrer weißen Warnschilderjacke und dem grellen Lippenstift im maximal genervten Gesicht, nicht ein Statement, sondern eine Lawine von Statements, die alle sowas sagen wie fuck you, ist mir egal, ich lass' das jetzt so, da hat sie mich richtig vom Hocker gehauen. Es war in den 80ern und 90ern halt wie mit Thatcher in der Politik, als Frau ging es nur auf die harte Tour im deutschen Fernsehen, und was das hieß, das erzählen diese fünf Damen auf eine sehr reflektierte Art, die auch die eigene Rolle hinterfragt, während sie einigen der Herren natürlich sauber einschenken. Dass die dazu einfach mal nichts sagen dürfen, ist erholsam. Trotzdem ist es im Grunde ein trauriger Film, auch wenn nur Esther Schweins, der "Schönen" unter den Fünfen, die nur passiv lustig sein durfte, mal die...

SCHÖNE SEELEN (UND ANDERE FILMFESTAUSBEUTEN)

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 Man kann schlecht sagen, dass August Diehl ein unterschätzter Mime ist, aber ich WILL sagen, dass ich immer wieder erstaunt bin, wie verdammt gut er ist. Wandelbar Hilfsausdruck. Womit wir bei Josef Hader wären, der, wie man weiß die Apotheose des Kabaretts verkörpert, aber auch sehr gut schauspielert, nur eben immer ein bisserl einen ähnlichen Typus. Stichwort irgendwie armselig und leicht schmierig. So auch Herbert, in Andalusien lebender und wirkender Expat, der sich als großer Zampano des Nachtlebens betrachten möchte, aber leider über ein, ich nenn’s mal, gewisses Niveau noch deutlich unter Jürgen Drews nicht hinauskommt. Auch seine Angestellten, die er aus desolaten Zugereisten rekrutiert, lassen menschlich und professionell zu wünschen übrig. Freddy, daheim ein Totalversager, erscheint im Vergleich beinahe als leuchtendes Vorbild, denn er ist zwar irrsinnig naiv, aber durchaus empathiefähig und eigentlich voll liab. Blöd, dass die Vorgänge im vermeintlichen Paradies ihn sch...

BACKROOMS

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Ich geh nicht so gern in Horrorfilme, weil ich mich dort unwohl fühle, was ich in Problemfilmen komischerweise nicht tue. Aber wenn man per MUBI GO den Hype schon für lau unter die Nase gerieben kriegt… und außerdem ist es ja schön kühl im Kino. Also weiß ich jetzt, was eine „Creepy Pasta“ ist. Das sind nämlich so kleine Gruselwebserien im Netz, weitergedichtet und gepostet von UserInnen. Und aus solch einem offenbar wahnsinnig bekannten Liminal Space-Mama Miracoli-Gruselserienspaghetti hat nun ein 19-jähriger Herr namens Kane Parsons ein magenfüllendes Fertiggericht gezaubert. Es sei mir gestattet, das Rezept zu spoilen: 2 Prisen „The Shining“, ein Hub „Severance“, ein Löffelchen Dali (der kam im Kunst-LK vor), zwei Escher-Würfel (aufgelöst in Urin, von wegen Farbgebung) und das Aroma von ca. 3000 angesagten Games, die ich alle nicht kenne – das meiste basiert ja jetzt auf Games, die ich nicht kenne. Doch vorerst lehnte ich mich erleichtert zurück, als ich Renate Reinsve auf der Leinw...

(THE) GOOD BOY

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Es sei angemerkt, dass der hier besprochene Film im Original „THE Good Boy“ heißt, da es letztes Jahr einen Horrorfilm namens „Good Boy“ gab, der aus der Perspektive eines Hundes erzählt wurde. Das geschieht hier nicht. Dafür spielt in „THE Good Boy“ auch ein Halsband eine Rolle, nur das dieses ziemlich schwer ist und von einem Menschen, Tommy, getragen wird. Tommy, ein „obnoxious young lad“ und fleißiger Tiktoker, hat sich gewaltig danebenbenommen, dies einmal zu oft gepostet und findet sich nun in der „Obhut“ einer äußerst fragwürdigen Familie wieder. Die überaus schwarze Pädagogik, die dort angewandt wird, um ihn auf den rechten Pfad zurückzuführen, erinnert (wohl nicht zufällig) an "A Clockwork Orange", und auch Andrea Riseborough als würdige Wiedergängerin von Shelley Duvall in „The Shining“ würdigt Kubrick, den Altmeister ungemütlicher Moralstücke. Überhaupt hat die polnisch-britische Koproduktion von Jan Komasa etwas aus der Zeit Gefallenes, auch das leicht schauerlich...

THE DEVIL WEARS PRADA 2

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Nun wollen natürlich alle, die vor 20 Jahren Teil 1 mochten, wissen: bringt’s das noch oder wird man sich im Kinosessel angesichts des Verfalls der DarstellerInnen, der Qualität der Sprüche und des ziemlich gestrigen Themas vor Ödnis winden? Die MacherInnen waren sich dieser Gefahren natürlich völlig bewusst und sind konfrontativ damit umgegangen: dem Untergang geweiht ist hier eigentlich alles. Mirandas (Meryls) Imperium, Modezeitschriften per se, Stilbewusstsein per se, Journalismus, und implizit auch die gute alte stilvolle Welt ohne alles gleichmachende Tech-Mogule, hier verkörpert von einem charme- und geschmacksbefreiten Zuckerberg-Verschnitt, der Miranda sogar dazu zwingt, rauszufinden, wo sich die Betriebskantine befindet. Die Damen selbst hingegen strahlen und zicken wie eh und je, die Sprüche und Frisuren sitzen, die Figuren, allen voran Emily, haben an Profil fast noch zugelegt und wahren Fans werden schon Meryl Streeps Blicke genügen, die fast ihren eigenen Oscar verdient h...

ROSE

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Rose, einmalig gespielt von national treasure Sandra Hüller, ist eine Veteranin, die die Schnauze voll hat, nicht nur von den Kugeln, die ihr dieselbe durchlöchert und ihrem Gesicht herbe, fast männliche Züge verliehen haben. An den Fronten des gnadenlosen endlosen Krieges hat sie schon als Mann gekämpft, warum sollte sie nun, da sie endlich die Chance auf ein gutes, selbstbestimmtes Leben hat, wieder ins Kleidchen zurück, und damit in das Schicksal, jederzeit angegriffen, vergewaltigt, einem „Herrn“ unterworfen zu werden, wenn es diesem beliebt? Rose will mehr und riskiert damit so einiges. Aber sie gewinnt auch viel, und selbst ihre naive „Ehefrau“ (ganz toll und unberechenbar: Caro Braun) erweitert zum eigenen Verblüffen ihren Horizont bei diesem gefährlichen Experiment. Regisseur Markus Schleinzer hat dafür eine ganz eigene zugleich sperrige, reduzierte und doch kunstvolle Form des Erzählens gefunden. Die schwarzweißen Bilder zeigen die Berge skelettierter Kriegsopfer genauso ruhig...

PILLION

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Ja, ich bin ein Skarsgård-Fanweib, geb ich zu. Aber es ist nicht nur sein Körper. Der Gute macht sich bei aller Schönheit grundsätzlich null komma null Sorgen, ob die Rollen die er spielt, sympathisch oder gesellschaftlich sanktioniert rüberkommen. Auch hier muss sich Ray, wie der Biker-Traumtyp des kleinen, krumpeligen Losers Colin heißt, von dessen Mutter einiges anhören, das auch nicht völlig an den Haaren herbeigezogen ist. Apropos an den Haaren herbeiziehen: die Selbstkontrolle des Regisseurs Harry Lighton, Depeche Mode’s „Master and Servant“ nicht mit in den Soundtrack aufzunehmen, grenzt selbst schon an Masochismus. Die britische „Dom-Com" hält sich in punkto expliziter Darstellung von BDSM-Techniken nicht groß zurück und wer in dieser Hinsicht zart besaitet ist, sollte vielleicht doch lieber Bridgerton oder sowas gucken. Das Schöne ist, man geht trotzdem oder vielleicht sogar deswegen beseelt lächelnd nach Hause, denn hinter all dem Schwanzgelutsche und Erniedrige steckt e...

FATHER, MOTHER, SISTER, BROTHER

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Ich will schon gar nicht mehr schreiben, weil ständig nur Gemecker von mir kommt. Aber Jim Jarmusch war doch mein Held. Er war das einzig Coole in meinem Leben als ich pubertierte. Stranger than paradise, Down by Law, Tom Waits und John Lurie, das war einfach die Apotheose der Kultigkeit. Zugegebenermaßen lange her, und auch ich hab inzwischen längst nicht mehr bei jedem Jarmusch gejubelt, obwohl er immer noch tolle Schauspieler um sich schart, die vielleicht auch eher aus Nostalgie mitmachen. Wobei die erste Episode noch geht. Die bleibt unter ihren Möglichkeiten, aber sie hat schon was, vielleicht ja genau, weil die Figur, die Tom Waits spielt, 100% Tom Waits ist, während alle anderen (hier: die beiden Sprösslinge, gespielt von Mayim Bialik und Adam Driver, die nichts dafür können) nur noch spießige Langweiler sind. Hat Jarmusch sich am Ende selbst erkannt und das ist alles total meta? Für die Mutter-Episode konnte er die leibhaftige Charlotte Rampling gewinnen, was ebenfalls schon e...

HAMNET/ IT WAS JUST AN ACCIDENT/ ACH, DIESE LÜCKE

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Maxi statt Mini: Um den geballten Filmkonsum seit meiner Rückkehr aus dem Land des Lächelns (wer denkt, dass das China ist, war noch nie in China) irgendwie zu verarbeiten, hier einer meiner wenig beliebten Sammeleinträge, und sei es nur für mich, denn die Archivarin muss archivieren, sonst verliert sie ihren zweiteinzigen Lebenszweck neben mindestens einmal täglich irgendwo ordentlichen Kaffe herkriegen. Here goes: Hamnet. Schon das Buch, das ich im Urlaub genoss, nervte mit endlosen Beschreibungen von Kräuterstampferei (eine reine Frauentätigkeit, denn Herren arbeiten mit dem Kopfe) und natürlich der maximal ausgereizten Beschreibung eines Kindstodes incl. extensiver Vor- und Nachgeschichte. Und auch der Film (ja, warum wollte ich den dann auch noch sehen, kann man sich durchaus fragen) geht dahingehend voll auf die 12 und macht sich deshalb für mich der hochgradigen Manipulativität verdächtig, obwohl er durchaus auch seine tollen Momente hat. Ich weiß übrigens gar nicht, was das Gan...

THE SECRET AGENT/ O AGENTE SECRETO

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Einen hab ich noch vor der Winterpause. Vielleicht hat ja jemand in der "staden Zeit" 2-3 Stündchen übrig, um einen wunderschön gedrehten, schwarzhumorig-skurrilen brasilianischen Film zu betrachten? In dem Udo Kier, Friede seiner Asche, einen so tollen und wie verstörenden Cameo-Auftritt hat? In dem Fall würde ich diesen hier empfehlen. Man muss sich auch innerlich etwas Zeit nehmen. Darauf, dass die Handlungsstränge vor dem nur vage zu erkennenden Background der Militärdiktatur in den 70ern zusammenkommen, braucht man nicht zu warten, irgendwann kommt es dazu, aber der Weg ist hier das Ziel. Bis es soweit ist, gucken wir einem attraktiven, aber verlustgepeinigten Herrn mit sonnengelbem VW-Käfer dabei zu, wie er versucht, dem langen Arm der sogenannten Staatsgewalt zu entgehen, die ihm erstmal nur die Zigaretten wegnimmt, während ein paar Meter weiter eine erschossener Mann unter einem Stück Pappe vor sich hinverwest, den keiner abholen will. Dabei treffen wir nach und nach ...

SORRY, BABY

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Ich finde den ja toll. Die Hauptdarstellerin Eva Victor hat auch Regie geführt und das Buch geschrieben und sich im Übrigen das Filmemachen während des Lockdowns selbst rangeschafft. Wahrscheinlich geht ihre Figur Agnes (Lamm Gottes, sic! sic! sic!) auch deshalb nicht oft vor die Tür, wenn sie nicht muss, zur Sorge ihrer Busenfreundin. In der Geschichte hat das allerdings andere Gründe, die ich nicht verrate, nur soviel: manchmal dauert es eine Weile, bis man schlimme Dinge verarbeitet, vielleicht klappt es auch nie so ganz, aber wäre doch schön, wenn das Leben trotzdem noch eine Chance kriegt. Eva Victor ist die Art von Person, bei der man nicht wegschauen kann, weil man sie nicht so richtig zu fassen kriegt und so jemanden noch nie gesehen hat, obwohl sie einem gleichzeitig vertraut vorkommt. Den Film als „extrem witzig“ zu beschreiben wie auf dem Poster und in diversen Blurbs geschehen, schrappt voll an der Sache vorbei. Ich würde eher mit sowas wie „lakonisch“ oder „melancholisch...

Sentimental Value

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Da ich mein geneigtes wenn auch winziges Publikum gerne mal überrasche, ziehe ich nun nicht den naheliegenden Vergleich zwischen Joachim Trier und Lars „von" Trier. Letzteren verehrt ein geschätzter Filmblog-Kollege gleich derart, dass er den anderen Trier bisher gar nicht bemerkt hat, und nun die fälschlich erworbene Kinokarte gleich im hohen Bogen von sich warf. Ein Fehler! Trier der Jüngere hat vor nun auch schon 14 Jahren den furchtbar traurigen Film „Oslo, 31. August“ gemacht, mit dem er sofort in meine best-of-Liga aufstieg. Und da ich Skandi-Fan und alt wie das Meer bin, war mir schon 5 Jahre vorher „Reprise" über ein paar sehr gesprächige junge Möchtegern-Autoren positiv aufgefallen. Doch ich abschweife. In seinem neuesten und vielleicht komplexesten Werk stachen mir einige Parallelen zu „In die Sonne schauen" ins Auge. Das alte Haus, das gleich zu Beginn eine Persona bekommt, die wechselnden Leben darin, und die Spiegelungen der Frauenschicksale die damit verbun...

ZOOTOPIA 2

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Gut, ich bin dann doch nicht gleich ins Theater, sondern zur Erholung erst noch in einen Kinderfilm. Natürlich in einen, der zumindest kleinen Kindern viel zu rasant ist und bei dem sie 80% der Witze und Anspielungen nicht verstehen, aber dennoch von den Eltern reingeschleift werden, die zur Abwechslung mal Spass (mit kurzem A und Doppel-S) haben wollen, anstatt sich in jegliche Resthoffnung in Atome zerlegenden "Erwachsenenfilmen" selbst zu geißeln. WIR brauchen dafür nicht mal Kinder, wir regredieren ganz von allein: Welcome to Zootopia! Hier stimmt noch die Message, die auch nicht eben subtil vorgetragen wird - antirassistisch, antidiskriminierend, antifaschistisch - und ratet mal, ob das Gute oder das Böse siegt! In den aktuellen Erwachsenenfilmen darf das Gute ja nicht mehr siegen, da man sich sonst sofort der Primitivität und Parteinahme verdächtig macht, nihilistisch muss es sein und alle müssen unbedingt totale Arschlöcher sein, wie in der richtigen Welt halt. In Zoot...

EDDINGTON

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Ich mach's kurz: geht da nicht rein. Macht was anderes, was Schöneres. Geht mit Freunden auf ein Glaserl Gülle, oder lernt meinetwegen den Koran auswendig. Mir reicht's jedenfalls. Wie lange war ich nicht mehr mit oder in einem Film richtig beseelt, beglückt, begeistert. Liegt es an mir, oder drischt einfach fast jede(r) nur noch irgendwas zusammen, ohne Herzblut und Konzept, einfach ein paar Edelmimen aufstellen, weil man es halt kann, und sich dann auf den Lorbeeren des früheren Schaffens ausruhen und irgendwas Krudes zusammenstümpern, wird schon passen. Jeder gegen jeden, Chaos und Gewalt passen ja zu unserer Zeit, das geht schon durch als die große Gesellschaftskritik. Alle werden sich doof vorkommen, weil sie nicht wahrhaben wollen, dass jemand wie Ari Aster es schafft, derart zynischen, stinklangweiligen, hirnlosen Mist zu bauen. Meanwhile las ich gerade (nicht im Koran), Herr Trump wünsche sich "Rush Hour" Nummer 4 von Hollywood, weil er solche Filme liebt, und...